Vorteile von servoelektrischen Greifern einfacher nutzen

Mehr Effizienz, mehr Flexibilität, mehr Durchgängigkeit

Obwohl pneumatische Greifer in der Funktionalität beschränkt sind, scheitert deren Ablöse durch Servogreifer oft am deutlich höheren Integrationsaufwand. Dabei muss der gar nicht sein, sofern man ein smartes Bindeglied einsetzt - das erklärt Dr. Karsten Weiß, Geschäftsführer von Weiss Robotics in ROBOTIK UND PRODUKTION.
Die Griplink-Lösung von Weiss Robotics arbeitet als smartes Bindeglied zwischen Roboter und Greifer. – Bild: Weiss Robotics GmbH & Co. KG

Manchmal bietet sich einem in der Produktionslandschaft des deutschen Maschinenbaus ein recht widersprüchliches Bild. Dort findet man hochmoderne Roboterlösungen, elektrisch angetrieben und von intelligenter Software gesteuert, die aber am Roboterflansch mit einem Pneumatikgreifer operieren. Das wirkt in einer immer stärker digitalisierten Welt schon fast ein bisschen aus der Zeit gefallen.

Energieeffizienz und Flexibilität im Produktionsprozess sind wichtiger denn je. Dennoch scheint sich der Stand der Technik an manchen Stellen seit den 1990er-Jahren nicht wirklich verändert zu haben. Aus gutem Grund: Pneumatikgreifer sind immer noch die kostengünstigere und unkompliziertere Lösung und behalten so ihre Berechtigung, wenn die Greifaufgabe einfach ist. Trotzdem empfiehlt es sich, darüber nachzudenken, welche Chancen und Vorteile Systemintegratoren und Endanwender haben, wenn sie smarte servoelektrische Greifer und Werkzeuge einfach integrieren können.

Geht die Integration von Werkzeugen überhaupt einfach? Bedeutet das nicht viel Planungs- und Programmieraufwand? Stimmt, die Integration war bislang häufig ein Showstopper für dein Einsatz von servoelektrischen Greifern. Das kann sich allerdings mit dem Einsatz einer Brücken-Technologie wie Griplink ändern.

Mit Griplink scheitert die 
Anwendung von smarten Greifern und 
Tools nicht mehr an deren Integration.
Dr. Karsten Weiß, Weiss Robotics"Mit Griplink scheitert die Anwendung von smarten Greifern und Tools nicht mehr an deren Integration." 
Dr. Karsten Weiß, Weiss Robotics
Mit Griplink scheitert die Anwendung von smarten Greifern und Tools nicht mehr an deren Integration.“ Dr. Karsten Weiß, Weiss Robotics“Bild: Weiss Robotics GmbH & Co. KG

Flexible Prozesse für große Vielfalt

Für viele Anwender ist es eine große Herausforderung, auf die steigende Produktvielfalt im Herstellungsprozess zu reagieren, die eine digitalisierte Welt mit sich bringt. Endkonsumenten wollen immer öfter individualisierte Produkte und die Digitalisierung ermöglicht es ihnen, diese über Online-Versandhäuser innerhalb kurzer Zeit zu bestellen.

Die Märkte sind von einer Schnelllebigkeit geprägt, die mit konventioneller Technik nicht mehr zu bewältigen ist. Denn ein sich stetig änderndes Produkt kann nur mit adaptierbaren Greifern und Tools bearbeitet werden. Hier kommen Anwender mit pneumatischen Greifern an ihre Grenzen, wenn sie ihre Anlage nicht ständig teuer umrüsten wollen.

Obwohl servoelektrische Systeme deutlich komplexer sind als pneumatische Greifer, könnten mit ihnen die beschriebenen Anforderungen einfacher bewältigt werden – wäre da nicht die Integration. Sie bedeutet wiederum mehr Programmieraufwand für Systemintegratoren, der selten im Anlagenbudget vorgesehen ist und viel Zeit sowie personelle Ressourcen kostet. Deswegen galt die Integration servoelektrischer Greifer bislang also oft als Showstopper. Doch das Problem lässt sich durch die Griplink-Lösung von Weiss Robotics lösen.

Bindeglied zwischen Roboter und Tool

Bei Griplink handelt es sich um eine Art Bindeglied, an das ein servoelektrischer Greifer, eine Vakuumpumpe, ein Sensor oder ein anderes Werkzeug angeschlossen werden kann. Das Hardware-Modul ist mit einer entsprechenden Software ausgestattet, die auf den jeweiligen Robotertypen zugeschnitten ist. Mittlerweile ist Griplink zu mehr als zehn Robotertypen kompatibel. Diesen Umstand verdanken Anwender nicht zuletzt einem langsamen Umdenken in der Branche. Grundsätzlich ist der Maschinenbau noch sehr zurückhaltend, wenn es darum geht, mit offenen Schnittstellen zu arbeiten. Das ist weniger dem Knowhow-Schutz geschuldet als dem Umstand, dass man dem Kunden eine einwandfrei funktionierende Anlage zur Verfügung stellen will – und deshalb Interaktionen mit Drittkomponenten tunlichst vermeidet.

Doch die Vorteile eines solchen modernen Ansatzes liegen klar auf der Hand: Neben der Energieeffizienz und einer höheren Anlagenflexibilität spricht auch die Datendurchgängigkeit für den Einsatz von Griplink.

Anlagenverfügbarkeit wird erhöht

So können etwa Messwerte zurück gelesen und für die Prozessoptimierung genutzt werden. Eine wichtige Eigenschaft, die die Anlagenverfügbarkeit erhöht und Kosten spart. Läuft ein Prozess nämlich erst einmal nicht mehr rund, geht bei herkömmlichen Greifprozessen eine aufwändige Fehlersuche los, die Personal binden und den Produktionsprozess verzögern kann. Durch Daten bei servoelektrischen Greifern erhält der Anwender wesentlich mehr Informationen: Stimmt der Greifpunkt? Wo zeichnen sich im Prozess potenzielle Probleme ab? Solche und andere Informationen können über die Bedienoberfläche dargestellt werden.

So kann der Anwender nicht nur seinen Prozess kontinuierlich verbessern, sondern auch die Verfügbarkeit der Anlage steigern, weil eine aufwändige Fehlersuche vermieden und Problemen vorgebeugt werden kann. Wenn Messwerte also genau Aufschluss darüber geben können, an welcher Stelle sich ein Problem abzeichnet, spart dies Zeit und Geld. Über entsprechende Schnittstellen können außerdem Diagnose-Tools angeschlossen werden, die eine Anlage zukunftsfähig machen.

Intuitive Planung und Verfügbarkeit

Griplink kann intuitiv bedient werden. Das bedeutet, Nutzer können erst einmal virtuell programmieren, ohne dass sie bereits einen Roboter gekauft haben, denn Griplink kann auf einen digitalen Zwilling angewendet werden. Konstrukteure werden also befähigt, den Prozess bis hin zum Greifer zu planen und viele Fehler im Vorfeld auszuschließen. Das wiederum entlastet den Roboterprogrammierer, der so am Ende nicht mehr alle Fehler ausmerzen muss, weil diese bereits im Probelauf erkannt und dadurch vermieden wurden. Damit stellt Griplink eine höhere Qualität im Planungs- und Inbetriebnahmeprozess her. Mit Hinblick auf den Fachkräftemangel ein weiteres Argument für smarte servoelektrische Greifer.

Zugegeben: Ganz ohne Herausforderungen ist dieser Weg dennoch nicht. Noch gibt es keine Kommunikationsstandards, was die Implementierung erschweren kann. Griplink nutzt Plugins, um die Funktionalität auf der Robotersteuerung zur Verfügung zu stellen. Die Plugins sind mittlerweile für viele Robotermarken kompatibel. Auf diese Weise lässt sich die Hürde fehlender Standards in der Robotik nehmen. Griplink ist somit nicht auf einen speziellen Roboterhersteller festgelegt. Das macht die Technologie besonders interessant für Systemintegratoren oder Anwender, die mit Robotern unterschiedlicher Hersteller arbeiten.

Einfach updaten

Ein weiterer Vorteil von Griplink ist auch seine Update-Fähigkeit. Per Firmenware-Update kann Griplink immer wieder auf den neuesten Stand gebracht werden, und zwar ganz einfach über das Webportal, ohne aufwändige Softwareinstallation auf dem Laptop.

Für welche Anwendungen eignet sich Griplink nun und macht die Lösung Pneumatikgreifer in Zukunft überflüssig? Sicher nicht. Pneumatikgreifer genügen überall dort, wo einfache Prozesse gelöst werden können. Wenn es aber um wechselnde Produkttypen geht, Energie gespart werden soll oder Rückschlüsse aus den Prozessdaten gezogen werden müssen, lohnt es sich allemal über einen Servogreifer und Griplink nachzudenken. Fest steht in jedem Fall: Mit Griplink scheitert die Anwendung von smarten Greifern und Tools nicht mehr an deren Integration.

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