„Wird sich flächendeckend durchsetzen“

DS Automation Christoph Pramberger
Bild: DS Automotion GmbH

ROBOTIK UND PRODUKTION: DS Automotion war maßgeblich an der Definition des Layout Interchange Formats (LIF) beteiligt. Wie weit sind Sie hier mit der Umsetzung am Markt? Was ist die derzeitige Roadmap?

Christoph Pramberger: Die erste Version des Layout Interchange Formats wurde im entsprechenden Arbeitskreis des VDMA erstellt, in dem ich Vorsitzender bin. Nach eineinhalb Jahren interner Abstimmung im VDMA konnten wir die erste Version schließlich veröffentlichen. Bei uns im Unternehmen laufen bereits die ersten Kundenprojekte, in denen das LIF zur Anwendung kommt. Die Entwicklung des Formats ist weitestgehend abgeschlossen und DS Automotion unterstützt es zu 100 Prozent.

ROBOTIK UND PRODUKTION: Welches Potenzial sehen Sie im Layout Interchange Format und was sind die größten Vorteile, die es bietet?

Mit der VDA5050 sollte die Kommunikation bzw. die Schnittstelle zwischen Leitsteuerung und Fahrzeug vereinheitlicht werden. Was aber aus unserer Sicht gefehlt hat, war die Betrachtung der Übermittlung der Fahrkursdaten in die Leitsteuerung. Ein Grundgedanke der VDA5050 war es u.a., dass verschiedene Fahrzeughersteller unter einer Leitsteuerung fahren können. Wenn aber jeder Fahrzeughersteller sein eigenes Format hat, in dem er einen Fahrkurs interpretiert und einer fremden Leitsteuerung bereitstellt, dann wird es unübersichtlich. An dieser Stelle wollten wir frühzeitig ansetzen.

Ziel des Layout Interchange Formats ist es, dass möglichst alle Fahrzeughersteller dieses einheitliche Format verwenden, um einen Fahrkurs abzubilden. Das wiederum sorgt dafür, dass die Leitsteuerungshersteller dann nur noch ein Format interpretieren müssen. Das größte Potenzial liegt darin, dass die beliebige Kombination von Fahrzeuglieferant, Leitsteuerungshersteller und Endkunde einfacher wird. Ein weiteres wesentliches Ziel ist es, eine klare Abgrenzung zwischen der Verantwortlichkeit des Fahrzeugherstellers und des späteren Leitsteuerungshersteller zu erreichen.

Die Entwicklung des LIF-Formats ist weitestgehend abgeschlossen und DS Automotion unterstützt es zu 100 Prozent.

Christoph Pramberger, DS Automotion

ROBOTIK UND PRODUKTION: Wie sieht es mit der Offenheit der Anwender für die Etablierung gemischter Flotten nach VDA5050 und LIF aus?

Den vermehrten Einsatz von gemischten Flotten konnte ich noch nicht beobachten. Was ich aber sehe, ist, dass es Unternehmen gibt, die selbstständig eine fremde Leitsteuerung verwenden und bei denen wir als Fahrzeuglieferant bereits das LIF für diesen Austausch verwenden. Wir sind sicher, dass sich LIF in diesen Anwendungsfällen flächendeckend durchsetzen wird.

ROBOTIK UND PRODUKTION: Welche Schnittstellen und Protokolle braucht der Einsatz mobiler Robotik noch?

Mit der aktuellen Version der VDA5050 wurden sogenannte Zonen definiert, die insbesondere für AMRs relevant sind. Dieses neue Konzept muss in den zukünftigen Versionen des Layout Interchange Formats berücksichtigt werden. Der nächste Schritt im LIF-Arbeitskreis für 2025/2026 ist daher die Unterstützung der aktuellen Version der VDA5050. Außerdem warten wir gerade das Feedback anderer Hersteller ab, um die Rückmeldungen in einer späteren Version berücksichtigen zu können. Ob es darüber hinaus noch zusätzliche Protokolle oder Schnittstellen benötigt, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Das Interview führte: Frauke Itzerott
Ressortleiterin Robotik und Redakteurin ROBOTIK UND PRODUKTION. Hat einen Kollegen, der sich vor humanoiden Robotern fürchtet, kann ihn aber immer wieder beruhigen.