
Die Anforderungen an moderne Produktionssysteme im Bereich Pick&Place werden immer komplexer. Steigende Taktraten, variierende Produktformate und der Bedarf an hoher Präzision erfordern außergewöhnliche Lösungsansätze. Traditionelle Handhabungssysteme stoßen zunehmend an ihre Grenzen, insbesondere wenn es um die flexible Integration in bestehende Produktionslinien geht. Die Herausforderungen liegen in der präzisen Synchronisation von Bewegungsabläufen, der zuverlässigen Teileerkennung und der effizienten Energienutzung.
Viele Herausforderungen, eine Lösung
Deltaroboter haben sich im Bereich Pick&Place etabliert, denn ihre kinematische Struktur bietet entscheidende Vorteile: Die parallele Anordnung der Antriebe und die leichte Bauweise der bewegten Komponenten ermöglicht außergewöhnlich hohe Beschleunigungen und Geschwindigkeiten. Diese Roboter überzeugen aber nicht nur durch die reine Geschwindigkeit, sondern vor allem durch die Fähigkeit, komplexe Bewegungsmuster mit besonders hoher Präzision auszuführen. Die Integration von Vision-Systemen ermöglicht zudem die dynamische Anpassung an variierende Produktpositionen und -orientierungen. Speziell für solche Delta-Einsätze hat Murrelektronik eine ausgeklügelte Lösung entwickelt.
Mit der Vario-X-Plattform verlagert das Unternehmen durch konsequente Dezentralisierung die Steuerungsintelligenz direkt in die Feldebene und macht komplexe Schaltschrankkonstruktionen überflüssig. Die Hauptsteuerung der Plattform übernimmt nicht nur sämtliche Maschinenfunktionen, sondern kann auch parallel mehrere Deltaroboter steuern. Dadurch können separate Roboter-Controller entfallen. Die Idee der Dezentralisierung geht aber noch weiter: Alle Automatisierungskomponenten von Vario-X sind direkt im Feld platziert. Das reduziert den Installationsaufwand und steigert die Systemeffizienz. Die hochintegrierten Module der Plattform vereinen dabei sämtliche erforderlichen Automatisierungsfunktionen in kompakten, IP67-geschützten Einheiten.
Die Verbindung der Module erfolgt über ein Verbindungskonzept, das Energie- und Datenübertragung in einem System vereint. Dabei werden verschiedene Kommunikationsprotokolle unterstützt und eine flexible Topologiegestaltung ermöglicht. Die automatische Erkennung der angeschlossenen Komponenten vereinfacht die Installation und reduziert die Fehlerquellen.
Programmierung neu gedacht
Die von Murrelektronik entwickelten Softwarebausteine der Vario-X-Plattform ermöglichen einfache Wege bei der Programmierung von Delta-Anwendungen: Die vordefinierten Bausteine kapseln komplexe Algorithmen für Bewegungssteuerung, Synchronisation und Prozessoptimierung in wiederverwendbaren Modulen. Sie sind hierarchisch organisiert und lassen sich flexibel miteinander kombinieren. Dadurch können auch Anwender ohne tiefgreifende Programmierkenntnisse eine Anpassung an verschiedene Produktionsszenarien vornehmen.
Auf der untersten Ebene finden sich Basisfunktionen für einzelne Bewegungsabläufe, während höhere Ebenen komplexe Prozessabläufe und Synchronisationsaufgaben abbilden. Die Integration von Machine-Learning-Algorithmen in spezielle Softwarebausteine ermöglicht eine kontinuierliche Verbesserung der Bewegungsabläufe basierend auf Echtzeitdaten. Parameter wie Beschleunigungsprofile und Synchronisationspunkte werden automatisch an sich ändernde Produktionsbedingungen angepasst. Die implementierten Algorithmen berücksichtigen dabei nicht nur die Effizienz der Bewegungen, sondern auch den Energieverbrauch und die mechanische Belastung des Systems. Die Softwarebausteine implementieren zudem ein durchgängiges Fehlermanagement. Jeder Baustein überwacht seinen Ausführungszustand und kann bei Abweichungen definierte Reaktionen auslösen.

Realität trifft Virtualität
Bei der Entwicklung von Deltaroboter-Systemen ist durch den digitalen Zwilling eine neue Ära angebrochen. Der gesamte Programmablauf der Inbetriebnahme lässt sich digital anhand von CAD-Modellen vorab im Büro programmieren und testen. Der Programmierer muss nur noch für den letzten Feinschliff vor Ort – das spart Zeit und Geld. Die exakte virtuelle Abbildung des Systems umfasst dabei alle relevanten Aspekte – von der Mechanik über die Elektrik bis zur Steuerungssoftware – und schafft eine kontinuierliche Verbindung zwischen physischer und digitaler Welt. Einmal erstellt, lässt sich der digitale Zwilling entlang des gesamten Lebenszyklus der Maschine oder Anlage ausbauen und nutzen, z.B. für Anwendertrainings, Remote-Serviceeinsätze oder Condition-Monitoring-Anwendungen.
Die Implementierung des digitalen Zwillings beginnt bereits in der Planungsphase. Bewegungsabläufe lassen sich virtuell validieren und anpassen, noch bevor die erste physische Komponente installiert ist. Die Integration von physikalischen Simulationsmodellen ermöglicht dabei eine präzise Vorhersage des Systemverhaltens unter realen Bedingungen. Kollisionsprüfungen, Taktzeitverbesserungen und Effizienzanalysen lassen sich parallel zur Entwicklung durchführen. Selbst die Verkabelung lässt sich vorab exakt planen und zentimetergenau bestellen.
Weitere Vorteile bietet Murrelektronik durch die bidirektionale Kopplung zwischen realem System und digitalem Zwilling im laufenden Betrieb. So werden Sensorwerte und Prozessdaten in Echtzeit synchronisiert – und Abweichungen sind sofort erkennbar. Die implementierten Analysealgorithmen vergleichen kontinuierlich das reale mit dem erwarteten Verhalten und können potenzielle Probleme frühzeitig identifizieren. Das ermöglicht eine vorausschauende Wartung und kontinuierliche Prozessoptimierung.















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