Mit KI gegen Plastikmüll

Das Basisschiff Seacat fungiert als zentrale Einheit, die zwei ferngesteuerte Unterwasserfahrzeuge (ROVs) einsetzt und steuert: das Mini Tortuga für die Erkundung und das größere Tortuga ROV für das Einsammeln von Müll.
Das Basisschiff Seacat fungiert als zentrale Einheit, die zwei ferngesteuerte Unterwasserfahrzeuge (ROVs) einsetzt und steuert: das Mini Tortuga für die Erkundung und das größere Tortuga ROV für das Einsammeln von Müll. Bild: SeaClear

Jährlich gelangen allein in europäischen Gewässern bis zu 500.000t Makroplastik und 130.000t Mikroplastik ins Meer, über 90 Prozent davon lagern am Meeresgrund. Das Projekt SeaClear, an dem 13 Partner aus neun Ländern beteiligt sind, zielt darauf ab, Unterwasserabfälle effizient und sicher zu lokalisieren, zu klassifizieren und zu bergen – insbesondere in schwer zugänglichen oder gefährlichen Küstenregionen. Die eingesetzten Systeme sollen weitgehend ohne menschliche Taucher operieren können, wodurch Risiken und Kosten reduziert werden.

Intelligente Robotikflotte

Das Herzstück von SeaClear 2.0 ist eine vernetzte Flotte autonomer Systeme: Unterwasserroboter (ROVs), unbemannte Überwasserfahrzeuge (USVs), fliegende Drohnen und ein intelligenter Greifarm arbeiten koordiniert zusammen. Mithilfe von künstlicher Intelligenz und hochauflösender Sensorik – darunter Sonar, Mikroplastik- und elektromagnetische Sensoren – identifizieren und lokalisieren die Roboter Abfälle auch in schwer zugänglichen oder risikoreichen Arealen. Ein leistungsfähiger Greifarm ermöglicht das Bergen auch großer Objekte wie Reifen oder Fahrräder. Das Begleitboot ‚SeaDragon‘ bringt gesammelten Müll autonom an Land und kann flexibel für verschiedene Abfallarten konfiguriert werden.

Automatisierte Müllkartierung

Ein zentrales Element des Projekts ist die umfassende Kartierung der Meeresverschmutzung. Die eingesetzten Systeme erstellen mithilfe von KI und Sensordaten detaillierte Karten der Müllverteilung am Meeresboden und an der Oberfläche. Ergänzend dazu setzt SeaClear 2.0 auf Bürgerbeteiligung: Mit der Marine Litter Photomap werden Taucher, Schnorchler und Meeresliebhaber weltweit eingeladen, Fotos von Müllfunden auf, im und am Wasser beizusteuern. Diese Crowdsourcing-Initiative liefert wertvolle Daten für die Forschung, erhöht das öffentliche Bewusstsein für das Problem und unterstützt die Entwicklung gezielter Gegenmaßnahmen.

Ganzheitlicher Ansatz und gesellschaftliche Wirkung

SeaClear 2.0 geht weit über reine Technik hinaus: Das Projekt integriert Maßnahmen wie gamifizierte Apps zur Abfallmeldung, Aufräumaktionen und Policy-Workshops, um auch gesellschaftliche und politische Lösungen zur Müllvermeidung zu fördern. Ziel ist es, nicht nur den Müll zu entfernen, sondern auch die Ursachen zu bekämpfen und den Wert der geborgenen Abfälle durch bessere Sortierung und Recycling zu steigern. Die Erkenntnisse aus den Pilotversuchen, z.B. im Hamburger Hafen, liefern zudem wertvolle Impulse für die maritime Industrie und das Man-agement von Wasserinfrastrukturen.