
ROBOTIK UND PRODUKTION: Herr Rapp, in welchen Einsatzgebieten sehen Sie vorrangig den Bedarf für autonome mobile Roboter der Größe Ihres Neuzugangs Amy?
Karl Rapp: Wie alle fahrerlosen Transportfahrzeuge von DS Automotion wurde Amy für den Einsatz in industriellen Produktions- und Intralogistikabläufen konzipiert. In vielen Produktionsbereichen müssen kleine und leichte Waren nach ihrer Fertigung oder Anlieferung in Maschinen oder an Handarbeitsplätzen weiterverarbeitet werden. Denken Sie an den Abtransport fertiger Teile aus Spritzgussmaschinen, an die Leiterplattenbestückung oder an die Montage in der Produktion von elektronischen oder medizintechnischen Produkten.

ROBOTIK UND PRODUKTION: Mit welchen spezifischen Anforderungen waren Sie bei der Entwicklung von Amy konfrontiert?
Die Anforderungen aus diesen Bereichen haben zunächst die Gewichtsklasse festgelegt. Da es auch einem Menschen möglich sein soll, die Ladung händisch zu bewegen, liegt die maximale Zuladung bei 25kg. Das Fahrzeug muss ausschließlich konturbasiert navigieren und sich autonom bewegen, sich aber auch in größere Systeme integrieren lassen. Nachdem der Transport zwischen Fertigungsanlagen, Lagersystemen, Fördertechnik oder Handarbeitsplätzen erfolgen kann, soll die Lastübergabe durch automatisierte Übergabe von dem reinen Transport entkoppelt werden. Das geschieht durch simple Übergabestationen, auf die das Transportgut händisch abgelegt bzw. entnommen wird.
ROBOTIK UND PRODUKTION: Wie sehen die Transportmöglichkeiten von Amy aus?
Amy kann die Fracht auf einer 650x650mm großen Ladefläche wahlweise in einem Kleinladungsträger, Kisten, Kartonagen oder Trays mit mindestens 180x180mm und maximal 600x600mm Kantenlänge transportieren. Auch der Transport in mehreren kleineren Gebinden ist auf der Grundfläche möglich.

ROBOTIK UND PRODUKTION: Sie sprachen von der Lastübergabe. Wie funktioniert die?
Die standardisierte Lastübergabe von Amy eignet sich für praktisch alle Fälle ohne anlagenspezifische Anpassungen. Das Prinzip ist einfach: Die Ladefläche ist in Form eines Kammsystems ausgeführt und kann angehoben werden. Damit kann der AMR die Ladung auf einem Gegenstück mit passenden Ausnehmungen abstellen. Das ist ein einfaches Gestell als passive Station, die wir als Standardzubehör anbieten. Es kann aber auch eine Anordnung paralleler Röllchenbahnen oder Förderbänder zur automatisierten Anbindung an eine aktive Fördertechnik sein.

ROBOTIK UND PRODUKTION: Wie navigiert Amy durch die Logistikanlage?
Amy navigiert ausschließlich konturbasiert. TOF-Kameras vorne und hinten verhindern Kollisionen mit hochliegenden Objekten, wie z.B. Tischplatten. Sie unterstützen Amy außerdem bei der Lastübergabe, indem sie z.B. volle oder leere Behälter detektieren. Mithilfe des Differenzialantriebs kann der AMR im Stand drehen. Eine der drehbaren Bockrollen ist dabei auf einer Wippe gelagert, sodass kleinere Bodenunebenheiten kein Hindernis darstellen. Über Laserscanner vorn und hinten mit 360° Rundumsicht kann Amy in beiden Richtungen bis zu 1,8m/s schnell fahren, und das bei voller Sicherheit für Personen.
Mit Amy können Anwender Bereiche automatisieren, in denen das bisher nicht wirtschaftlich möglich war. Sie erhalten bei gleichen oder geringeren Investitionskosten eine flexiblere Lösung als mit fix installierten Förderanlagen.
Karl Rapp, DS Automotion
ROBOTIK UND PRODUKTION: Wie weit reicht die Navigationsautonomie?
Wie zahlreiche andere fahrerlose Transportfahrzeuge ist Amy mit der Fahrzeugsoftware Arcos ausgestattet, die auch das Konzept der planbaren Autonomie beinhaltet. Der AMR kann wahlweise völlig autonom verkehren oder einer virtuellen Spurführung folgen und dabei, wenn vom Betreiber gewünscht, auch unerwarteten Hindernissen ausweichen. Das verleiht dem AMR ein hohes Maß an Effizienz und Effektivität.
ROBOTIK UND PRODUKTION: Wie einfach lässt sich Amy in größere Gesamtsysteme einbinden?
AMY ist selbstverständlich mit der VDA5050-Schnittstelle ausgestattet und lässt sich daher unter beliebigen Flottenmanagementsystemen betreiben. Unter dem Flottenmanager Navios von DS Automotion auch im Mischbetrieb mit beliebigen anderen Fahrzeugen, die VDA5050 fähig sind. Dadurch eignet sich Amy auch besonders als kostengünstige Ergänzung in Bestandsanlagen. Hat der Kunde bereits ein VDA5050-kompatibles Flottenmanagementsystem, können wir den Fahrkurs im herstellerneutralen Layout Interchange Format (LIF) liefern.















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