
Lack aufzutragen und Karosserien zu trocknen ist außerordentlich energieintensiv. Entsprechend ist der Carbon Footprint moderner Lackieranlagen trotz des technischen Fortschritts immer noch sehr groß. Das will Dürr jetzt mit EcoQPower ändern, das alle Energiequellen innerhalb einer Lackiererei berücksichtigt und Komponenten sowie Energieströme miteinander vernetzt. Das System analysiert Energiequellen und Energiesenken im Betrieb entlang der verschiedenen Betriebszustände und historischen Klimadaten. Im Verbund soll sich dann an einer Stelle Energie gezielt zurückgewinnen lassen, die dann an anderer Stelle sinnvoll wieder genutzt werden kann.
Um nachzuweisen, dass die erste Lackieranlage mit EcoQPower, die Dürr für einen deutschen Automobilhersteller realisiert, weniger Treibhausgase emittiert als klassische Anlagen, wurde das Fraunhofer IBP hinzu gezogen. Es analysierte die Auswirkungen auf den Carbon Footprint. Dazu wurden die Werte für zwei identische, vollelektrische Fabriken am selben Standort und mit denselben Leistungsdaten simuliert – einmal mit und einmal ohne EcoQPower.
Im Sinne der Kreislaufwirtschaft wurde der gesamte Lebenszyklus von der Herstellung der Anlage einschließlich der Materialtransporte über die Nutzungsphase bis hin zum Lebensende betrachtet. Über den gesamten Zeitraum verringert EcoQPower den Carbon Footprint laut Institut um 19,2 Prozent. Da der 91 Prozent der Emissionen in der Nutzungsphase entstehen, ermöglicht EcoQPower den Anlagenbetreibern, klimafreundlicher zu wirtschaften. In der Nutzungsphase reduziert EcoQPower den Energieverbrauch um 20,6 Prozent, so die Dürr-eigene Energiebedarfsanalyse. Das bedeutet: Die neue Lackieranlage ist um rund 21 Prozent energieeffizienter als eine moderne Standardanlage. Dadurch spart der Betreiber über den angenommenen Nutzungszeitraum von 15 Jahren und 110.000 lackierten Autokarosserien pro Jahr Energiekosten in siebenstelliger Höhe.
EcoQPower basiert auf der Idee, dass jeder einzelne Fertigungsbereich nur noch die Energiemenge und das Temperaturniveau erhält, das er tatsächlich benötigt. In einer Standardanlage werden bislang alle Prozessschritte wie Vorbehandlung, Trockner und Lackierkabine isoliert betrachtet und versorgt. So wird z.B. überschüssige Energie aus dem Trocknungsprozess ungenutzt in die Umgebung abgeführt, die an anderer Stelle eingesetzt werden könnte. Genau an diesem Punkt setzt EcoQPower an: Durch die Gesamtbetrachtung integriert es alle Abwärmequellen, auch bislang nicht verwendete, und nutzt zudem auch Energie mit niedrigen Temperaturen weiter. Mittels Wärmepumpen wird dabei gleichzeitig Wärme- und Kälteenergie erzeugt. Möglich ist das mithilfe einer selbstentwickelten Software, die den individuellen Wärme- und Kältebedarf sämtlicher Prozessschritte in einer Lackiereranlage ermittelt.















![Die [me] - mechatronik & engineering wird digital 23 Die [me] – mechatronik & engineering wird digital](https://cdn.tedo.be/tedo-mu/wp_uploads/sites/20/2026/03/Unbenannt.jpeg)

