Skalierbare AGV- und AMR-Lösungen von Still

Still iGo macht auf Basis standardisierter Komponenten und 
industrieller Fertigung Automatisierung in allen Dimensionen möglich.
Still iGo macht auf Basis standardisierter Komponenten und industrieller Fertigung Automatisierung in allen Dimensionen möglich. – Bild: Still GmbH

ROBOTIK UND PRODUKTION: Im Portfolio von Still findet sich eine beachtliche Zahl an AGVs und AMR. Seit wann ist das ein interessantes Marktsegment für ihr Unternehmen?

Erik Düwel: Still beschäftigt sich seit rund 30 Jahren mit selbstfahrenden Transportlösungen. Seitdem ist das Thema kontinuierlich immer weiter in den Fokus gerückt. Dementsprechend wurde auch das Team erweitert und parallel eine breite Produktpalette an AGVs und AMR aufgebaut. Damit können wir uns heute diesem Trend, der die Industrie in den kommenden Jahren extrem prägen wird, ausgezeichnet stellen. Kurzum: Die mobile Robotik ist heute eine wichtige strategische Säule für Still – und in Zukunft noch viel mehr.

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Bild: Still GmbH, Erik Düwel, Senior Director Product
Management Automation, Kion

ROBOTIK UND PRODUKTION: Wie aufwändig ist es, die Anwender klassischer Flurförderzeuge von selbstfahrenden Einheiten zu überzeugen?

Düwel: Das Potenzial der Automation zu vermitteln, ist durchaus Überzeugungsarbeit. Aber nicht nur mit Blick auf die Kunden, sondern auch intern. Schließlich baut und verkauft Still seit knapp 100 Jahren Gabelstapler – die längste Zeit nur als manuell gesteuerte Fahrzeuge. Somit handelt es sich für uns um einen ganzheitlichen Change-Prozess, den wir über die eigene Organisation bis zu den Anwendern vorantreiben müssen. Mittlerweile haben wir dabei ordentlich an Fahrt aufgenommen.

ROBOTIK UND PRODUKTION: Auch andere Anbieter haben den Trend erkannt. Wodurch kann sich Still im zunehmenden Wettbewerb abheben?

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Bild: Still GmbH, Christian Ehlers, Product Manager Automation & Intralogistics Solutions, Still

Christian Ehlers: Wir sind mit klassischen Intralogistiklösungen seit vielen Jahren Partner unserer Kunden – teils seit Jahrzehnten. Wir sind regelmäßig vor Ort, also ganz nah am Anwender. Wir kennen seine Prozesse, seine Wünsche und seine Herausforderungen. Zudem haben wir in Europa ein engmaschiges Servicenetz, so dass wir bei Bedarf unmittelbar reagieren können.

Düwel: Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist: Unsere Automationslösungen sind konsequent skalierbar. Der Anwender kann mit einem Fahrzeug anfangen, Erfahrungswerte sammeln und sich Schritt für Schritt immer weiter in Richtung Automation entwickeln.

ROBOTIK UND PRODUKTION: Das Still-Angebot startet also bei einem AGV. Wie sieht das obere Ende der Leistungsskala aus?

Ehlers: Nach oben hin gibt es eigentlich keine Grenze. Still liefert auf Wunsch nicht nur selbstfahrende Transporteinheiten, sondern auch Shuttle- und Lagersysteme. Durch den Verbund mit unserer Schwesterfirma Dematic unter der Dachmarke Kion können wir sogar komplette Dark-Warehouse-Lösungen realisieren.

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Bild: Still GmbH

Düwel: Wichtig ist zu betonen: Unser Angebot wächst in beide Dimensionen. Einerseits geht der Trend für Still dahin, große Shuttle- und Lagersysteme im Rahmen einer AGV- oder AMR-Lösung mit einzubinden. Andererseits haben wir etwa mit der Software iGo easy die Möglichkeit für Anwender geschaffen, einzelne Prozesse zu automatisieren, und diese sogar selbst zu verändern oder anzupassen – und zwar so einfach, wie beim Einsatz eines Staubsauger- oder Rasenmäher-Roboters. Schließlich ist der Easy-to-Use-Ansatz auch in diesem Bereich der Industrie immer stärker gefragt.

ROBOTIK UND PRODUKTION: Verändern sich die Anforderungen deutlich, wenn es vom Lager in den Produktionsbereich geht?

Düwel: Auch in der Fertigung übernehmen automatisierte Einheiten Prozesse, die bisher manuell gelöst wurden. So wird z.B. der Milkrun, als klassische Versorgungslösung in der Produktion, immer öfter durch AMRs ersetzt. Auch bei der Kanban-Versorgung von Montageplätzen kommen mehr und mehr fahrerlose Systeme zum Einsatz. Die Anforderungen an die Fahrzeuge unterscheiden sich im Vergleich zum Lager aber nicht sonderlich.

Ehlers: Eine wichtige Rolle spielt allerdings die software-seitige Integration. Denn nur darüber wird eine Versorgung Just in Time oder Just in Sequence möglich – selbst bei einfachen Anwendungen. So lässt sich dann z.B. ein unnötig großer Bestand von Bauteilen vermeiden.

ROBOTIK UND PRODUKTION: Welche Rolle spielen Normen wie die VDA5050 aus Ihrer Sicht?

Breites Angebot: Die Palette an selbsfahrenden Lösungen reicht bei Still vom Schmalgangstapler bis zum Unterfahr-FTF.
Breites Angebot: Die Palette an selbsfahrenden Lösungen reicht bei Still vom Schmalgangstapler bis zum Unterfahr-FTF.Bild: Still GmbH

Düwel: Ursprünglich wurde die VDA5050 vor allem aus der Automobilindustrie getrieben. Ziel war die Unabhängigkeit von einzelnen AGV- und AMR-Anbietern. Gleichzeitig sollten fahrerlose Einheiten verschiedener Marken unter ein und derselben Leitsteuerung laufen. Das sind prinzipiell tolle Aussichten. Allerdings wird dabei noch nicht genug über die Auswirkungen auf Performance, Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit der Systeme gesprochen. Auch Haftungsfragen bleiben bis dato ungeklärt. So muss leider der Endanwender zusehen, wie er damit zurechtkommt. Das kann natürlich nicht der Anspruch sein. Es besteht also noch Diskussionsbedarf.

Ehlers: Trotzdem sind wir bei Still von offenen Schnittstellen überzeugt und haben die VDA5050 als Standard für die Kommunikation festgelegt. Alle neuen fahrerlosen Transportlösungen sprechen nur noch diese Sprache. Das ist ein ganz klares Bekenntnis zur VDA5050 seitens Still.

ROBOTIK UND PRODUKTION: Wird es in absehbarer Zeit überhaupt noch klassisch gesteuerte Stapler von Still geben?

Ehlers: Ich bin mir sicher, dass es noch sehr lange manuelle Fahrzeuge von Still geben wird. Nichtsdestotrotz behalten wir die Automation im Fokus.

ROBOTIK UND PRODUKTION: Was bedeutet das mit Blick auf die Hybridfahrzeuge, die sowohl automatisch als auch händisch gesteuert werden können? Verlieren sie ihre Berechtigung?

Düwel: Das würde ich nicht sagen – vor allem angesichts der umfangreichen Bestandsstrukturen in Europa, die es zu automatisieren gilt. Doch unserer Erfahrung nach ist die manuelle Option der Hybridfahrzeuge vor allem ein psychologischer Anker. Es ist eben ein gutes Gefühl, dass man im Fall der Fälle auf den traditionellen Betrieb zurückgreifen könnte. In der Praxis merken die Anwender indessen: Im automatisierten Betrieb gibt es viel weniger Probleme als befürchtet. Die Verfügbarkeit der Fahrzeuge im Automatikmodus liegt meist höher als es im manuellen Betrieb der Fall wäre.

ROBOTIK UND PRODUKTION: Wie geht es weiter auf der Automations-Roadmap von Still?

Düwel: Letztlich ist das Automation Business eine strategische Säule unseres Unternehmens und soll zukünftig auch einen noch signifikanteren Anteil unseres Geschäfts ausmachen. Für dieses Ziel sind wir mit unserer breiten Modellpalette und dem direkten Kundenzugang ausgezeichnet aufgestellt. Das Vertrauen der Kunden in die Lösungen von Still ist ja bereits vorhanden – oftmals seit Jahrzehnten. Sie wissen, dass unsere Lösungen funktionieren.

Die Fragen stellte: Mathis Bayerdorfer
Chefredakteur ROBOTIK UND PRODUKTION. Egal wie gut es sich im Text versteckt: Kein doppeltes Leerzeichen ist vor ihm sicher.