
Die deutschen Maschinenbauer blicken skeptisch ins neue Jahr und vor allem im Bereich der Robotik bestimmen Unternehmen aus den USA und Asien die Schlagzeilen. Ist der Zug für Deutschland abgefahren oder kann 2026 das Jahr des Comebacks werden? Andrija Feher, CTO und Co-Gründer von Synapticon, wagt sich mit zwölf Thesen rund um Robotik und Maschinenbau in Deutschland 2026 aus der Deckung:
1. Robotik hat das Potential zur neuen Automobilindustrie in Deutschland zu werden
Robotik kann die nächste große Leitindustrie in Deutschland werden, mit eigenen Plattformen, Zulieferern und einem starken Ökosystem, so wie es die Automobilindustrie früher war. Wir haben das Ingenieurswissen im Land, jetzt müssen wir es in skalierbare, standardisierte Robotiklösungen übersetzen.
2. Ohne (mehr) Automatisierung wird der deutsche Mittelstand den Anschluss verlieren
Ohne deutlich mehr Automatisierung wird es für viele mittelständische Unternehmen in Deutschland schlicht nicht mehr aufgehen, denn Fachkräftemangel und hohe Löhne lassen sich anders kaum ausgleichen. Automatisierung ist nicht mehr ein Nice to Have, sondern Voraussetzung, um in Europa wettbewerbsfähig zu produzieren.
3. Robotik ist die Disziplin im Maschinenbau mit dem größten Wachstumspotential
Wenn man sich aktuelle Wachstumsmärkte wie Logistik, E-Commerce, Halbleiterfertigung, und Medizintechnik anschaut, dann sieht man, dass überall Robotik eine wichtige Rolle spielt. Robotik bündelt Mechanik, Elektronik, Software und KI und ist damit der Innovationsmotor im Maschinenbau.
4. Der Maschinenbau in Deutschland muss effizienter, moderner und leistungsfähiger werden
Der deutsche Maschinenbau hat weltweit noch eine Spitzenposition, aber oft noch zu sehr in individuellen Sonderlösungen verhaftet. Man muss zukünftig stärker in Plattformen denken, bestehend aus modularen Baukästen, digitalen Zwillingen und standardisierten Antriebs- und Steuerungstechniken, die sich wiederverwenden lassen.
5. Humanoide Roboter zwischen Hype und tatsächlichem Potential
Beim Thema humanoide Roboter gibt es viel Hype, aber der kommt aus einem realen Bedarf: Fachkräfte fehlen und viele Tätigkeiten sind für Menschen unattraktiv oder gesundheitlich belastend. Kurzfristig sehen wir vor allem Pilotprojekte, Showcases und frühe produktive Einsätze in Spezialbereichen. Damit man einen Schritt weiterkommt, muss die Technologie bei Sicherheit, Kosten und Zuverlässigkeit noch weiter reifen. Mittelfristig können humanoide Systeme überall dort spannend werden, wo bestehende, menschzentrierte Infrastruktur genutzt werden soll, ohne die Fabrik neu zu bauen.
6. Die klassische Antriebstechnik kann und muss deutlich modernisiert werden
Viele Antriebskonzepte sind vom Grundprinzip her Jahrzehnte alt. Ihre Merkmale sind viele Einzelkomponenten, viel Verdrahtung und ein großer Schaltschrank. Die Zukunft liegt in hochintegrierten, intelligenten Drive-Modulen, die Leistungselektronik, Safety, Sensorik, Kommunikation und Diagnose direkt am Motor vereinen.
7. Hard- und Software müssen zunehmend gemeinsam entwickelt und betrachtet werden
Moderne Robotik kann man nicht mehr in Silos entwickeln. Der Ansatz „erst die Mechanik, dann die Elektrik, zum Schluss die Software“ taugt nicht mehr. Dynamik, Energieeffizienz und Sicherheit entstehen im Zusammenspiel von Mechanik, Antriebstechnik, Regelung und Software.
8. Sicherheit ist für viele Unternehmen noch ein Hemmnis, um Cobots einzusetzen
Viele Unternehmen haben Respekt vor kollaborativen Robotern, allerdings weniger wegen der Technik, sondern wegen der Sicherheits- und Haftungsfragen. Die Normenlage ist komplex, und die wenigsten haben Safety-Spezialisten im Haus.
9. Die Sicherheit bei humanoiden Robotern ist die schwierigste Aufgabe für Ingenieure im Moment
Humanoide Roboter sind sicherheitstechnisch die Königsklasse: hohe Masse, viele Freiheitsgrade, teils hohe Geschwindigkeiten und gleichzeitig unmittelbare Nähe zum Menschen. Klassische Schutzkonzepte wie Zäune und Käfige funktionieren dort kaum noch. Wir brauchen deshalb Safe-Motion- und Sensorikkonzepte, die Sicherheit als Systemeigenschaft verstehen – vom Antrieb über die Regelung bis hin zur übergeordneten Steuerung.
10. KI ist im Maschinenbau überwiegend noch Wunschdenken
Im Maschinenbau gibt es im Moment mehr KI-Folien als wirklich robuste KI-Anwendungen im Feld. Es gibt spannende Piloten in Qualitätskontrolle, Predictive Maintenance oder Pfadplanung, aber die wenigsten sind schon breit ausgerollt. Damit KI skalieren kann, braucht es verlässliche Daten aus den Maschinen, standardisierte Schnittstellen und ausreichend Rechenleistung nah an der Anwendung.
11. Neue Robotik erfordert neue Standards und Normen
Die meisten bestehenden Normen sind für klassische Industrieroboter in eingezäunten Zellen geschrieben, nicht für mobile oder humanoide Systeme, die sich frei im Raum bewegen. Für lernende Systeme, KI-gestützte Entscheidungen und neue Formen der Mensch/Roboter-Interaktion fehlen teilweise noch klare Leitplanken. Standards müssen zukünftig Innovation ermöglichen statt ausbremsen.
12. Europa braucht eigene Robotik- und KI-Stacks
Europa kann es sich auf Dauer nicht leisten, bei kritischer Automatisierungs- und KI-Technik vollständig von Importen abhängig zu sein. Wir brauchen eigene, wettbewerbsfähige Robotik- und KI-Stacks – vom Antrieb über die Steuerung bis zur Software.















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