Der Schlüssel für offene Systeme

pssbl. Robotics bietet eine grafische Oberfläche, die es auch weniger versierten Anwendern 
ermöglicht, Roboterachsen, Funktionen und 
Peripherie intuitiv zu parametrieren.
pssbl. Robotics bietet eine grafische Oberfläche, die es auch weniger versierten Anwendern ermöglicht, Roboterachsen, Funktionen und Peripherie intuitiv zu parametrieren. – Bild: pssbl. Robotics GmbH

Ein Thema bereitet Maschinenbauern und Systemintegratoren immer wieder Kopfschmerzen, der sogenannte Vendor Lock-in. Wer heute eine Automationslösung plant, kauft damit oft die vollständige Abhängigkeit von einem Hersteller mit ein. Jeder neue Sensor, Greifer oder jedes zusätzliche Kameramodul benötigt eigene proprietäre Treiber und Schnittstellen – immer wieder ist umfangreiche Integrationsarbeit gefragt, wertvolle Engineeringzeit wird gebunden.

Oft genug sorgt ein harmloses Softwareupdate dafür, dass ganze Systeme nicht mehr wie geplant zusammenspielen. Die Applikationsentwicklung wird zur Dauerbaustelle, die Portierung auf andere Roboter- oder Steuerungsplattformen bleibt mühsam und risikobehaftet. Gerade im Mittelstand, wo schnelle und flexible Anpassungen gefragt sind, geraten Unternehmen rasch an ihre Grenzen.

Hier setzen offene Plattformen wie die von pssbl. Robotics an. Ihr zentraler Vorteil: Peripheriegeräte können auf bereits existente, geprüfte und gepflegte Treiber zurückgreifen. Das spart nicht nur erhebliche Integrationsaufwände, sondern gestaltet die Entwicklungskosten transparent und kalkulierbar. Unternehmen können sich gezielt auf ihre Kernprozesse fokussieren, statt Ressourcen in wiederkehrende Routineeinbindungen zu investieren. Vorteilhaft für Maschinenbauer und Integratoren ist zudem, dass offene Plattformkonzepte Engineeringrisiken systematisch reduzieren können, ohne gleichzeitig industrielle Anforderungen zu kompromittieren.

ROS2 – mehr als Middleware

Das Robot Operating System 2 (ROS2) ist Teil des Wandels hin zu modularen, offenen Software-Architekturen. Längst hat sich ROS2 aus seiner Forschungsecke heraus in die industrielle Anwendung hinein entwickelt. Es bietet nicht nur ein leistungsfähiges Software-Framework, das einen einfachen, modularen Aufbau von Applikationen ermöglicht, sondern stellt Anwendern zugleich ein breit gefächertes Ökosystem an fertigen Treibern, Paketen und Tools bereit.

Basierend auf moderner Kommunikationstechnologie wie DDS (Data Distribution Service) ermöglicht ROS2 eine flexible und auch in sicherheitskritischen Szenarien zuverlässige Datenübertragung. In Kombination mit Echtzeitbetriebssystemen wie RT-Linux oder passender Industrie-Hardware sind selbst anspruchsvolle Applikationen, die eine sehr kurze Latenz erfordern, möglich.

Wichtig ist dabei: ROS2 will und soll bestehende industrielle Steuerungen nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen. Auch in ROS2-gesteuerten Systemen bleibt eine ausgereifte Sicherheitssteuerung essenziell – ROS2 schafft jedoch die Flexibilität, neue Funktionen und Anwendungen einfacher, schneller und sicherer umzusetzen. Wie Tobias Frank, Managing Director bei pssbl. Robotics, erläutert: „Wir setzen auf die moderne Automatisierungsplattform ctrlX Automation, nutzen ROS2 als Middleware und bauen darauf zeitgemäß unsere individuelle Applikationssoftware auf.“

ROS2 direkt auf der Robotersteuerung

Was unterscheidet das Konzept von pssbl. Robotics von anderen Lösungen? Das Unternehmen stellt ROS2 nicht als zusätzliches Add-on oder extern angebundenes Tool bereit, sondern direkt und tief in seine Robotersteuerung integriert. Statt einen zusätzlichen Industrie-PC mit aufwendiger Anbindung und Wartung bereitstellen zu müssen, läuft ROS2 nativ auf dem bestehenden IPC als Teil der eigentlichen Steuerung.

Für den Anwender bietet das gleich mehrere Vorteile: Der Aufwand und die Kosten für zusätzliche Hardware entfallen vollständig. Entwickler, die bereits mit ROS oder ROS2 vertraut sind, müssen keine neuen, proprietären Programmiersprachen lernen, sondern können ihr vorhandenes Wissen unmittelbar einsetzen – die Entwicklungsumgebung bleibt vertraut und einheitlich. Gleichzeitig werden die Zeiten für die Inbetriebnahme verkürzt, da typische Integrationsengpässe beim nachträglichen Hinzufügen eines IPC oder bei der Anbindung externer Lösungen entfallen.

Ein weiterer Aspekt ist die Benutzerführung: Während viele ROS-basierte Systeme noch stark auf Kommandozeilen-Tools und manuelle Konfiguration setzen, bietet pssbl. Robotics zusätzlich eine grafische Oberfläche, die es auch weniger versierten Anwendern ermöglicht, Roboterachsen, Funktionen und Peripherie intuitiv zu parametrieren.

Im pssbl.-Lab lassen sich bestehende oder geplante Applikationen auf den Einsatz eines ROS2-fähigen Industrieroboters prüfen und testen.
Im pssbl.-Lab lassen sich bestehende oder geplante Applikationen auf den Einsatz eines ROS2-fähigen Industrieroboters prüfen und testen. – Bild: pssbl. Robotics GmbH

Praxisbeispiel: Demonstrator auf der ROSCon FR & DE 2025

Die praktische Umsetzung der beschriebenen Prinzipien wurde auf der ROSCon 2025 anschaulich demonstriert. Der von pssbl. Robotics gemeinsam mit bRobotized und Bosch Rexroth entwickelte Demonstrator kombinierte reale Peripherie mit einer vollständig ROS-basierten Anbindung. Hier zeigte sich, wie leicht sich bereits vorhandene ROS-Treiber für Greifer, Vision-Systeme und weitere Sensorik direkt nutzen und einbinden lassen. Viele Besucher erlebten zum ersten Mal, dass ein Industrieroboter ROS2 nicht nur als Brücke einsetzt, sondern als grundlegenden Systembaustein integriert. Christian Göltl, pssbl. Maker, fasst zusammen: „Dr. Denis Stogl und sein Team von bRobotized haben uns bei der Integration von ROS2 hervorragend unterstützt. Damit erreichen wir ein neues Maß an Offenheit, das in der Industrierobotik erforderlich ist, um für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet zu sein.“

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