(Bild: F&P Robotics AG)
(Bild: F&P Robotics AG)

Beschränkungen und Befürchtungen

Denn der mobile Helfer müsse in Zukunft noch viel mehr können und noch zuverlässiger sein – als Roboter bleibe er ein beschränktes System, so der Hersteller. Daher existiert bereits eine zweiarmige Version, die insbesondere im Hinblick auf den chinesischen Markt entwickelt wurde. Ob diese Version von Lio auch in Pflegeeinrichtungen hierzulande eingesetzt werde, sei im Moment jedoch fraglich: Laut Hersteller kommen in China menschenähnliche Roboter sehr viel besser an als in Europa, wo die Kunden es bevorzugen würden, wenn man die technische Natur eines Gerätes nicht ganz verbirgt. Weil man Lio aber doch ein bisschen Persönlichkeit verleihen wollte, habe man ihm zumindest ein niedliches Gesicht verpasst. Fraglich bleibt, ob es den Menschen in Senioren- und Pflegeeinrichtungen leichter fallen wird, sich mit dem Serviceroboter anzufreunden. Die oftmals aufkommende Befürchtung, dass der Einsatz von Robotern in der Betreuung die Pflege von Alten und Kranken unpersönlicher machen würde, teilt das Unternehmen nicht: Demnach würden die Hilfsdienste der Serviceroboter den Mangel an Pflegepersonal ausgleichen und die Möglichkeit geben, sich den Menschen verstärkt zuzuwenden. Was auch nicht außer Acht gelassen werden darf, ist der Aspekt der Kosten: Ein Faktor, der im traditionell klammen Gesundheitswesen stets problematisch ist. Je nach Konfiguration kostet ein Serviceroboter wie Lio heute 60.000 bis 80.000€. Dazu kommen dann noch die Kosten für Personalschulungen sowie für Wartung und Updates der Datenbanken. Insgesamt müsse man laut Hersteller mit etwa 100.000€ rechnen. Etwa zwei Monate dauere die Einarbeitungsphase für das Personal, denn gesteuert werde der Roboter von den Pflegern vor Ort. Sie bestimmen daher letztlich mit, ob er vor allem als Schachpartner, Reinigungsfachkraft oder sensibler Zuhöher eingesetzt wird.

Positive Aussichten

Seinen ersten richtigen Job hat Lio bereits in Aussicht: Im März wurde der Pflegeroboter in Konstanz einem breiten Publikum aus dem Gesundheits- und Pflegesektor vorgestellt. Im Rahmen eines Forschungsprojekts möchte der Vorsitzende des Caritas-Kreisverbands Konstanz, Andreas Hoffmann, ihn als ersten Pflegeroboter in einem Konstanzer Alten- und Pflegeheim einsetzen. Dem Publikum wurde bereits vorgeführt, wie der Assistenzroboter in Zukunft in Alten- und Pflegheimen helfen kann, dem Personal die Arbeit zu erleichtern, und so ermöglicht, sich mehr Zeit für die sozialen Aspekte im Umgang mit Patienten zu nehmen. Der Hersteller des Pflegeroboters plant jedoch bereits für die Zukunft: So zeigte er während dem Robotics & Automation Open Lab 2018 tiefere Einblicke in sein Projekt Robot Assistant for Nurses: ein mobiler Roboter, der das Pflegepersonal in Krankenhäusern bei der Entnahme von Blutproben unterstützen soll. (bft)n