
Trotz dieses hohen Automatisierungsgrades entwickelt sich die Technik rasant weiter. Produktionsanlagen werden schneller, präziser und intelligenter. Sensordaten werden in Echtzeit ausgewertet und unmittelbar nutzbar gemacht. Die Systeme sind stärker vernetzt, die Abläufe adaptiver und der Einsatz von künstlicher Intelligenz wird ausgeweitet und vertieft. Dadurch werden automatisierte Aufgaben komplexer und können mit immer geringerem menschlichen Eingriff erledigt werden. In der jüngeren Berichterstattung hört man vermehrt von Plänen von Fahrzeugherstellern, auch auf humanoide Robotersysteme zu setzen sowie diese selbst herzustellen. Vollständig automatisierte, nahezu menschenleere Produktionsstätten – Dark Factories – sind nicht allzu fern.
Diese Entwicklungen sind aber nicht auf die Fahrzeugherstellung beschränkt. Sie wirken unmittelbar auf angrenzende Märkte. Die Zulieferindustrie etwa muss ihre Komponenten stets auf Anforderungen der Produktion ausrichten oder liefert womöglich selbst Bauteile und Software für Roboter. Besonders deutlich werden Veränderungen auch im wichtigen After-Sales-Bereich. Auch hier werden automatische Systeme erprobt, die Reparatur- oder Wartungsarbeiten unterstützen oder perspektivisch selbst durchführen können. Gleichzeitig halten digitalisierte, KI-gestützte Anwendungen Einzug: Etwa automatisierte Fahrzeugdiagnosen, vorausschauende und intelligente Wartungsangebote und ferngesteuerte Software-Updates verändern das Servicegeschäft. Das dürfte nicht ohne Folgen für die Werkstattlandschaft und die Ersatzteillogistik bleiben.
So unterschiedlich diese Anwendungsfälle sind, eint sie doch die zentrale Bedeutung von Daten. Ob in der Produktion, im Vertrieb oder im After Sales, Automatisierung funktioniert nur dort, wo relevante Daten in der richtigen Qualität verfügbar sind.
Damit hat Automatisierung auch eine rechtliche Komponente. Zugang zu sowie Nutzung und Weitergabe von Daten sind Gegenstand zahlreicher gesetzlicher Regeln und müssen innerhalb dieses Rahmens vertraglich prozess- und ergebnisorientiert gestaltet werden. Neben den bekannteren Regelungsregimen wie Datenschutz, Produktsicherheit und -haftung sowie KI-Verordnung rücken zunehmend auch Vorschriften zu nicht-personenbezogenen und nicht IP-geschützten technischen Daten (oft Maschinendaten oder Knowhow) in den Fokus.
Besonders hervorzuheben ist hier das neue europäische Datengesetz, der Data Act, der u.a. auch zwingende Zugangsansprüche zu Daten enthält. Für Unternehmen stellt sich darunter die Herausforderung, Daten rechtssicher zu nutzen, zu vermarkten oder auch, soweit möglich, gegen Zugriffsansprüche Dritter schützen. Dies betrifft z.B. die Herstellung und den Vertrieb vernetzter Produkte und verbundener Dienste, wie sie oft Robotersysteme darstellen dürften. Hinzu kommen sektorspezifische Datenzugangsregeln in immer mehr Branchen; etwa auch bezüglich Fahrzeugreparatur- und Wartungsinformationen, Kfz-Steuergeräten und Ferndiagnosefunktionen.
All diese Vorgaben sollen Innovation und Wettbewerb fördern, können jedoch auch zu Reibungspunkten führen, wenn Sicherheitsbedenken bestehen oder Investitionen geschützt werden müssen.
Robotik und Automatisierung werden die Automotive-Industrie weiter verändern, daran besteht kein Zweifel. Mitentscheidend für den Erfolg beteiligter Akteure wird jedoch sein, ob es gelingt, technologische Innovation und einen belastbaren rechtlichen Rahmen zusammenzudenken.















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