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Koaxialität von Ein- und Auslauf als Prüfmerkmal: Der Messwert unterscheidet Werkstücke innerhalb und außerhalb der Toleranz. – Bild: Werth Messtechnik GmbH

Aus der Praxis: Pipettenspitzen und Insulinpens

Wie alle drei Hebel zusammenwirken, habe sich insbesondere in der Corona-Pandemie gezeigt, berichtet Schubert: „Die Nachfrage nach Pipettenspitzen für Testautomaten stieg sprunghaft und mit ihr wuchs die Kavitätenzahl der Werkzeuge. Die manuelle Prüfung auf Grat und Vollständigkeit sowie die Messung der Koaxialität von Ein- und Auslauf und der Durchmesser, die den korrekten Durchfluss sicherstellen, waren bei diesen Stückzahlen nicht mehr zu leisten.“ Die Lösung war eine bedienerunabhängige, automatisierte Messung mit Geräten vom Typ TomoScope XS Plus mit integriertem Werkstückwechsler: WinWerth misst, wertet aus und protokolliert automatisch. Die Bedienoberfläche WinWerth Scout zeigt alle Ergebnisse tabellarisch und grafisch mit Farbcodierung an, sodass Werkstücke außerhalb der Toleranz leicht identifiziert und gezielt bewertet werden können.

Ein zweites Beispiel liefert die Fertigung von Insulinpens. Grate, die bei beginnendem Werkzeugverschleiß entstehen, führten dort laut Schubert erst in der Montage zu Funktionsproblemen. „Die Gratprüfung erfolgte zunächst manuell mit Mikroskop und Schliffbild: bedienerabhängig, mit Pseudoausschuss und ohne Trendaussage, da nur ein i.O./n.i.O.-Ergebnis ohne Messwert vorlag“, führt Schubert weiter aus. Mit fertigungsbegleitender CT wird der Grat heute innerhalb weniger Sekunden gemessen und neutral bewertet. Der Werkzeugverschleiß wird im Trend sichtbar, bevor Montagefehler entstehen. Das senkt den Ausschuss und vermeidet Reklamationen.

Digitaler Zwilling für den Produktlebenszyklus

Der vollständige Messdatensatz zahlt sich über den gesamten Produktlebenszyklus aus. Physische Rückstellmuster aus Kunststoff verändern sich durch Feuchteaufnahme oder UV-Einfluss und binden Lagerfläche unter definierten Bedingungen. Der CT-Datensatz altert nicht und lässt sich als digitaler Zwilling des bemusterten Werkstücks archivieren. Bei Reklamationen kann er nachträglich auch an Stellen ausgewertet werden, die bei der Bemusterung nicht gemessen wurden. Bei der Revalidierung, etwa nach einem Werkzeug- oder Maschinenwechsel, genüge Schubert zufolge ein schneller Ist-Ist-Vergleich gegen den bemusterten Zwilling, fokussiert auf die Bereiche außerhalb der Toleranz.

Fazit

Wie stark sich der Einsatz bereits verschoben hat, zeigt der Geräteumsatz: Lag der CT-Anteil bei Werth vor 15 Jahren im einstelligen Prozentbereich, seien es heute nach eigenen Angaben über 50 Prozent. Einzelne Anwender betrieben laut Schubert bereits die zweite bis vierte Gerätegeneration und haben mit eingespielten Prozessen, Programmbibliotheken und digitalen Zwillingen einen Vorsprung aufgebaut, der sich kurzfristig kaum aufholen lasse. Im wettbewerbsintensiven Kunststoffspritzguss für die Medizintechnik dürfte fertigungsbegleitende CT-Messtechnik damit in den kommenden Jahren vom Differenzierungsmerkmal zur Voraussetzung werden.

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