Schunk Expert Days on Robotic Material Removal

Neue Aufgaben für den Roboter

Beim automatisierten Be- und Entladen von Werkzeugmaschinen findet sich oft ungenutztes Potenzial. Schließlich steht der Roboter in der Regel einen Teil der Bearbeitungszeit still. Dabei könnte er z.B. parallel Bauteile entgraten, schleifen oder polieren. Auch abseits der Beschickung gibt es immer mehr Anwendungsmöglichkeiten für das sogenannte Material Removal per Roboter - die Fachkräfte stark entlasten können. Deswegen stand dieses Thema im Mittelpunkt der Schunk Expert Days 2022.
Anwendungsmöglichkeiten für das sogenannte Material Removal per Roboter standen im Mittelpunkt der Schunk Expert Days 2022.
Anwendungsmöglichkeiten für das sogenannte Material Removal per Roboter standen im Mittelpunkt der Schunk Expert Days 2022. – Bild: Schunk GmbH & Co. KG

Im Rahmen der Veranstaltung hatte Schunk im Oktober an seinen Automatisierungs-Standort in Brackenheim-Hausen eingeladen. „An zwei Tagen wurde intensiv über die Möglichkeiten der roboterbasierten Bauteilbearbeitung diskutiert“, zog Daniel Mayer, Head of Product Sales bei R-Emendo, ein erstes Fazit. „Hochkarätige Speaker aus der Branche gaben Einblicke in die aktuellen Trends, moderne Technologien und neue Produkte.“ Über 70 Teilnehmer (40% international) nutzen die Gelegenheit zum Networking und der Information über neue Lösungen und Use Cases aus der Praxis.

Einblick in die Fertigung

In Brackenheim-Hausen produziert und montiert Schunk einen Großteil seiner Greifer. Dabei nutzt der Anbieter eine Vielzahl eigener Produkte in automatisierten Anwendungen. Im flexiblen Fertigungssystem (FFS) mit neun angebundenen Toyoda-Maschinen genauso wie in einem weiteren FFS von Schuler Automation mit Heller-Bearbeitungszentren. Bei der Beschickung von SW-Werkzeugmaschinen mit Cellro-Automation kommen ebenfalls Greif- und Spannlösungen aus dem hauseigenen Portfolio zum Einsatz. Gerade solche Applikationen bieten aus Sicht des Unternehmens auch in der eigenen Fertigung noch Potenzial, um die vorgelagerten Roboter während der Maschinenlaufzeit besser auszulasten. Das Thema roboterbasierter Bearbeitungsprozesse reicht bei Schunk also von der eigenen Fertigung bis tief in das Portfolio für die Automatisierung.

Über 70 Teilnehmer (40% international) nutzen die Gelegenheit zum Networking und der Information über neue Lösungen und Use Cases aus der Praxis.
Über 70 Teilnehmer (40% international) nutzen die Gelegenheit zum Networking und der Information über neue Lösungen und Use Cases aus der Praxis. – Bild: Schunk GmbH & Co. KG

Teil des Standorts Hausen ist eines von mittlerweile sieben Co-Lab genannten Roboter-Applikationszentren, in dem Schunk eine attraktive Umgebung für das Networking geschaffen hat. Während dort normalerweise Kunden bei der Lösung individueller Problemstellungen unterstützt werden, waren im Rahmen der Expert Days verschiedene Partner anwesend, die das Themenspektrum rund die automatisierte Bauteilbearbeitung komplettierten.

Vielseitiges Vortragsprogramm

Ergänzend dazu wurde ein abwechslungsreiches Vortragsprogramm angeboten. Anfangs ging es primär um geeignete Werkzeuge und die Eigenschaften, die sie für den Einsatz am Roboter bieten müssen. Nicolas Huth von der Firma Pferd räumte ein, dass sich zwar auch Werkzeuge für die manuelle Bearbeitung oft am Roboter nutzen lassen. Werden hingegen spezielle Werkzeuge verwendet, wirkt sich das durchaus positiv auf Lebensdauer, Bauteilqualität und Verfügbarkeit der Applikation aus. Prinzipiell solle man zudem erst das geeignete Werkzeug definieren und sich dann um den passenden Roboter kümmern – nicht umgekehrt. Dominik Messaros von Kempf ging in seinem Vortrag der Frage nach, ob man extrem harte Materialien wie Keramik bei Bearbeitungsaufgaben mit dem Roboter überhaupt einsetzen kann, z.B. bei der Entgratung von Querbohrungen. Auf jeden Fall, so seine Antwort. Aber man müsse dem extrem harten Material größtmögliche Flexibilität verleihen. Kempf gelingt dies mit einem Fiber Brush, der aus vielen einzelnen Fasern aus Keramikpartikeln auf einem Compound-Träger aufgebaut ist.

Daniel Mayer, als Head of Product Sales bei R-Emendo für den Bereich Material Removal verantwortlich, führte durch die Veranstaltung.
Daniel Mayer, als Head of Product Sales bei R-Emendo für den Bereich Material Removal verantwortlich, führte durch die Veranstaltung. – Bild: Schunk GmbH & Co. KG

Die nächsten Referenten zielten in Richtung von Schleifmitteln und -aufsätzen. Die finnische Firma Mirka hat hier mittlerweile ein breites Portfolio für Roboter – vornehmlich Cobots – aufgebaut. „Aufgrund der eintönigen und belastenden Tätigkeit sowie des Fachkräftemangels nimmt die Nachfrage in diesem Segment stark zu“, erklärte Evald Lassus. „Bei der Automatisierung solcher Prozesse lassen sich zudem deutliche Vorteile bei Qualität und Genauigkeit generieren.“ Um passgenaue Lösungen anzubieten, setzt Mirka auf ein modulares Tool-Programm. Es umfasst nur nicht verschiedene Größen und Formen an Schleifaufsätzen, sondern auch Kombinationsmöglichkeiten mit Sensorik oder Aktoren, die Höhenunterschiede des Bauteils ausgleichen. Das Großunternehmen 3M – in der öffentlichen Wahrnehmung eher als Hersteller von Pflastern oder Post-its bekannt – versorgt seit Jahrzehnten die Industrie mit Schleifmitteln. Darunter sind auch Produkte für die automatisierte Oberflächenbearbeitung, die sich durch ihre hohe Langlebig auch bei heutigen Nachhaltigkeitsansprüchen auszahlen. Welche zu Roboteranwendungen passenden Support und Safety-Konzepte ergänzend angeboten werden, wurde auf den Expert Days ebenfalls erklärt.

Am Standort in Brackenheim-Hausen produziert und montiert Schunk einen Großteil seiner Greifer.
Am Standort in Brackenheim-Hausen produziert und montiert Schunk einen Großteil seiner Greifer. – Bild: TeDo Verlag GmbH

Roboter und Prozesse

Was ist für Bearbeitungsprozesse besser geeignet: Industrieroboter oder Cobots? „Wir brauchen beide“, betont Danny Denk vom Integrator Ecosphere. Sein Unternehmen hat in nur drei Jahren 75 Roboterlösungen für Material Removal in Betrieb genommen. Je nach Anforderung sei immer die eine oder andere Roboterart besser geeignet. Im Rahmen seines Vortrags führte Denk durch die verschiedenen Überlegungen und Vorbereitungen, die für die erfolgreiche Umsetzung einer automatisierten Anwendung ausschlaggebend sind – vom Engineering, über die Inbetriebnahme bis zu Betrieb und Service. Anschauliche Lösungsbeispiele hatte auch Florian Krukemeyer mitgebracht, die sein Unternehmen IBK als Projektpartner bereits realisiert hat: vom Entgraten über das Schleifen bis hin zum Bürsten.

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