
Bild: Noerr Partnerschaftsgesellschaft mbH
Liebe Leserinnen, liebe Leser, was zunächst nach einer Nische klingt, könnte bald zu einem zentralen Baustein der Industrie werden: Wartungsteams aus aller Welt treffen sich in einer virtuellen Fabrik, um gemeinsam Maschinenprobleme zu lösen. Neue Anlagen werden zunächst vollständig digital geplant und durchgespielt, bevor der erste Bagger anrückt, und Mitarbeiterschulungen finden grenzüberschreitend in immersiven, virtuellen Räumen statt.
Dabei geht es längst nicht nur um technologische Spielereien. Der wirtschaftliche Nutzen digitaler Zwillinge ist messbar. So vermeldete die Unternehmensberatung McKinsey bereits im Jahr 2022, dass ein Unternehmen seine Kapital- und Betriebskosten durch den Einsatz digitaler Zwillinge um 10 Prozent senken konnte. Gleichzeitig wächst der Markt rasant. So wurde das globale Marktvolumen für 2023 auf 10 bis 18 Milliarden US-Dollar geschätzt, mit Prognosen, die für 2028 bereits 100 bis 150 Milliarden US-Dollar vorhersagen.
Doch wo reale und digitale Welten so eng verschmelzen, stellen sich auch drängende rechtliche Fragen. Wer haftet, wenn ein Fehler im digitalen Zwilling später zu einem Produktionsausfall führt? Wie lässt sich sicherstellen, dass bei der Kooperation mit externen Partnern im Metaverse sensible Betriebsgeheimnisse geschützt bleiben? Ebenfalls spannend ist die Frage nach Datenhoheit und geistigem Eigentum. Wenn z.B. ein Maschinenbauer seine Anlagen als digitale Abbilder bereitstellt, die dann von Kunden oder Partnern modifiziert werden – wem gehören diese neuen Daten und Entwicklungen? Auch der Schutz personenbezogener Daten rückt in den Fokus. Wenn Mitarbeitende als Avatare Schulungen durchlaufen oder gemeinsam mit Externen an virtuellen Maschinen arbeiten, entstehen neue Datenströme, die datenschutzrechtlich eingeordnet werden müssen. Wie lange dürfen diese Daten gespeichert werden? Welche Informationen über das Verhalten der Mitarbeitenden werden erfasst? Und wer hat eigentlich Zugriff darauf?
Das Industrial Metaverse verspricht somit nicht nur enorme Fortschritte in Effizienz, Nachhaltigkeit und Innovation – es bringt auch neue rechtliche Herausforderungen mit sich. Je virtueller die Industrieprozesse werden, desto realer werden die rechtlichen Baustellen, die geklärt werden müssen. Die Industrie ist insoweit gehalten, nicht nur in Software und 3D-Modelle zu investieren, sondern auch in rechtliche Konzepte, die diese neue Arbeitswelt sicher gestalten. Ohne klare Regeln könnte sich der Traum vom Industrial Metaverse schnell in einen Albtraum aus Haftungsfragen und Datenschutzpannen verwandeln.
Die Industrie steht ohne Frage an der Schwelle zu einer neuen Ära. Doch ob das Industrial Metaverse zum Produktivitäts-Booster oder zum juristischen Minenfeld wird, entscheidet sich nicht nur in den Serverräumen, sondern auch in den Gesetzbüchern.
Herzliche Grüße,
Dr. Luise Lautenbach















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