Mit dem Vier-Wege-Shuttle durchs Lager

20250809 Testrendering Overview
Der Beschlaghersteller Domino entschied sich für sein Kleinteilelager für ein Vier-Wege-Shuttle-System von HWA Robotics. – Bild: HWA Robotics ILTA GmbH

Shuttle-Lager gelten als besonders flexibel und leicht skalierbar. Das macht sie für viele Unternehmen zur ersten Wahl, wenn es um eine mitwachsende Lösung zur Automatisierung des Paletten- oder Kleinteile-Handlings geht. Besonderes Augenmerk verdient die Vier-Wege-Shuttle-Technik, bei der jedes Fahrzeug jeden Behälter an jeder Stelle im Lager ein- oder auslagern kann. Dazu wechselt in den Kreuzungsbereichen die Räderkombination für Richtungsänderungen um 90°, vertikale Bewegungen zwischen den Regalebenen absolvieren die Shuttles über Lifte. Durch den großen Bewegungsspielraum kann ein solches Lager schon mit wenigen Fahrzeugen vollautomatisch, effizient und redundant betrieben werden. Fällt eines davon aus, kann ein anderes dessen Aufgaben mit übernehmen.

Leistung schrittweise skalieren

Zudem kann man als Betreiber die Leistung der Anlage bei Bedarf schrittweise skalieren – eine Option, die bei dem Einsatz von Regalbediengeräten nicht gegeben ist. Wird später ein höherer Durchsatz benötigt, lässt sich die Leistung problemlos z.B. mit dedizierten Shuttles pro Gasse und/oder mehreren Shuttles in einer Ebene steigern. Speziell im E-Commerce – auch bei Domino gehört die Sparte zu den größten Wachstumstreibern – sind solche Möglichkeiten gefragt, um schnell auf Nachfragesteigerungen reagieren zu können.

Ein weiterer Vorteil: Shuttle-Systeme sind hoch standardisiert und schnell realisierbar. Durch ihre Flexibilität lassen sie sich gut an bestehende bauliche Gegebenheiten anpassen und in Prozesse integrieren. Üblicherweise übernimmt das ein Systemintegrator, aber es geht auch (fast) in Eigenregie, was Domino mit der erfolgreichen Implementierung eines Vier-Wege-Shuttle-Systems des asiatischen Herstellers HWA Robotics unter Beweis stellte.

Automatisiertes Kleinteile-Handling

Domino Polska ist ein marktführendes Unternehmen für Türgriffe, Beschläge oder Scharniere aus eigener Herstellung sowie den Vertrieb von Holz- und Laminatböden und Lackiermaschinen. Es blickt auf ein rasantes Wachstum in seinen on- und offline Geschäftsfeldern zurück. Mateusz wiszcz, Mitglied des Vorstandes bei Domino, entschied sich für die Shuttle-Technologie, um das Kleinteile-Handling zu automatisieren, die Versandleistung zu verbessern und die Grundlagen für weiteres Wachstum zu schaffen.

In nur 12 Monaten realisierte das Unternehmen eine Anlage mit vier Gassen, 17 Shuttles auf 17 Regalebenen und 17.510 Behälterstellplätzen. Das System erreicht bis zu 500 Ein- und Auslagerungen pro Stunde – ein Riesensprung im Vergleich zu den früheren manuellen Lagerbereichen. „Mit dem neuen System konnten wir unser Lager den in vielen Jahren stetig gestiegenen Anforderungen an die Logistik anpassen – und schon jetzt die Weichen für Leistungssteigerungen im Zuge des weiteren Wachstums stellen“, so wiszcz.

Im Zentrum der Lösung steht das Vier-Wege-Shuttlesystem SLS600.
Im Zentrum der Lösung steht das Vier-Wege-Shuttlesystem SLS600. – Bild: HWA Robotics ILTA GmbH

Keep it simple

Im Zentrum der Lösung steht das Vier-Wege-Shuttlesystem SLS600, hier jedoch in einer abgewandelten, den individuellen Bedürfnissen angepassten Anwendung. Bei Domino bewegen sich die Fahrzeuge ausschließlich in jeweils einer ihnen fest zugewiesenen Ebene nach dem Motto Keep it simple. Der vertikale Transport der Behälter erfolgt über zwei zentrale Lifte, die die Ebenen miteinander und mit der Fördertechnik auf der Grundfläche verbinden. Über diese gelangen die Behälter zu drei Kommissionierarbeitsplätzen. Über die neue Anlage werden heute Orders aus dem Stammgeschäft, dem Online-Handel und die 3PL-Dienstleistungen abgewickelt. Der Weg dorthin jedoch war eher ungewöhnlich.

Hohes Maß an Eigenleistung

HWA Robotics nämlich lieferte ein Komplettpaket vom Regal, über die Shuttle-Fahrzeuge bis zur Fördertechnik am Produktionsstandort Shanghai aus, der Kunde kümmerte sich selbst um Transport und Montage der Anlage, die Integration des Materialflussrechners und des Lagerverwaltungssystems. Unterstützt wurde er dabei von einem Experten des Herstellers auf der Anlage. „Eine Premiere, unsere bisher weltweit installierten 15.000 Shuttles wurden entweder durch uns oder, unserem europäischen Vertriebs-Setup folgend, durch unser wachsendes Ökosystem erfahrener Systemintegratoren in Betrieb genommen“, so Mark Vogt, Vice President Sales and Business Development Europe bei HWA Robotics. „Aber andererseits unterstreicht das nicht nur die bemerkenswerte technologische Kompetenz auf Kundenseite, sondern auch, wie unkompliziert ein homogenes und kompatibles Portfolio von Hard- und Softwarekomponenten in die logistischen Abläufe integriert werden kann.“