
ROBOTIK UND PRODUKTION: Wie sehen Sie die aktuellen Entwicklungen am Markt für mobile Robotik?
Wolfgang Hillinger: Es steht außer Frage, dass der mobilen Robotik eine große Zukunft bevorsteht. Die Wachstumsprognosen sind sehr hoch, z.T. 25 Prozent und höher. Doch der Markt für mobile Robotik weist eine Besonderheit auf: Man muss hier technologisch differenzieren. Das technologische Urgestein des Markts ist das spurgeführte fahrerlose Transportsystem, das immer noch zur Anwendung kommt.
Dann wurde das Feature des autonomen Fahrens ergänzt und es entstand eine neue Gattung, die autonomen mobilen Roboter. Jetzt könnte man natürlich denken, das autonome Fahren ist doch die bessere Lösung, aber man muss die Bedürfnisse der Intralogistik, wo die meisten autonomen Einheiten eingesetzt werden, verstehen. Unsere Kunden kaufen bei uns eine Transportleistung von A nach B, die wir garantieren müssen. Und genau darin liegt die Schwachstelle der AMRs. Ein AMR kann die Transportleistung nicht garantieren, weil er situationsbedingt reagiert. Die Dauer des Transports kann variieren und das ist in der Intralogistik ein großes Problem. Ein weiterer Aspekt ist der sogenannte Sequenzbruch. Dieser geschieht u.a. dadurch, dass man nicht voraussagen kann, welche Einheit aus der AMR-Flotte zuerst am Zielort ankommt. Wird das falsche Material zur falschen Zeit geliefert, steht die Produktion still und wir haben eine riesige Katastrophe.
Dann gibt es noch eine dritte Art von mobilen Robotern, die sogenannten QR-Bots. Sie bewegen sich nicht autonom, sondern ausschließlich in einem schachbrettartigen System, sind nicht kollaborativ und kommen in der Regel in riesigen Flotten im E-Commerce im Good-to-Person-Transport zum Einsatz. Der E-Commerce-Bereich boomt weiterhin und das Wachstum der QR-Bot-Flotten ist nach wie vor groß. Für den Person-to-Good-Transport kommen hier aber auch immer mehr echte AMRs zum Einsatz.
Es steht außer Frage, dass der mobilen Robotik eine große Zukunft bevorsteht. Aber man muss hier stark technologisch differenzieren.
Wolfgang Hillinger, DS Automotion
Kommen wir nun auf die Wachstumsprognosen von 25 Prozent und mehr zurück, sehen wir, dass das nicht für alle am Markt verfügbaren Lösungen und nicht für alle Zielmärkte gilt. Gerade das große Wachstum der QR-Bots findet nämlich größtenteils außerhalb von Europa statt. Denn in Europa ist Fläche sehr teuer, anders sieht es da in Nordamerika oder z.B. China aus.
Als europäisches Unternehmen muss ich also berücksichtigen, ob ich überhaupt die Produkte herstelle, die über großes Wachstum verfügen, und ob ich überhaupt in den Wachstumsmärkten tätig bin. Aber nach wie vor kann man sagen, dass auch der europäische Markt mit AGVs und AMRs über ein vernünftiges Wachstum verfügt, aber eben ein geringeres, als uns die genannten weltweiten Rekordzahlen vermuten lassen. Allerdings spüren wir gerade in diesem Jahr die Rezession natürlich auch auf dem Markt für mobile Robotik.
ROBOTIK UND PRODUKTION: Was sagen Sie zu den zahlreichen Unternehmensakquisitionen auf dem Markt für mobile Robotik?
Diese Konsolidierung hat schon vor vielen Jahren begonnen. Getrieben durch die starken Wachstumszahlen, über die wir soeben sprachen, haben sich viele Unternehmen Gedanken darüber gemacht, wie das Lager der Zukunft aussehen wird. Da es in Europa z.B. voraussichtlich immer weniger Staplerfahrer geben wird, muss hier eine Alternative gefunden werden. Und die besteht im Einsatz von autonom fahrenden Einheiten bzw. von Automatisierung. Die einfachste und schnellste Lösung, Knowhow über autonome Einheiten zu gewinnen, ist die Übernahme z.B. eines Startups und die Integration von dessen Lösungen in das eigene Portfolio.
Das Interview führte: Frauke Itzerott
Ressortleiterin Robotik und Redakteurin ROBOTIK UND PRODUKTION. Hat einen Kollegen, der sich vor humanoiden Robotern fürchtet, kann ihn aber immer wieder beruhigen.















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