
ROBOTIK UND PRODUKTION: Welche Formen von Assistenz-/Robotik werden derzeit in Krankenhäusern tatsächlich eingesetzt?
Szabolcs Szeöke: Der Einsatz von Robotik ist sehr vielfältig: Zum einen kommt er in Form von Assistenzsystemen in der Chirurgie im OP zum Einsatz. Diese unterstützen den Operateur, wobei es vor allem um Präzision geht. Im Klinikalltag werden Assistenzsysteme zur Unterstützung in der Logistik, im Transport und in der Reinigung eingesetzt, teilweise bereits autonom. In der Laboratoriumsmedizin sind sie bereits mit der Lieferkette verknüpft: Transport von Proben, Zuführung zur Analyse und Analyse der Proben. Hier gibt es auch Verknüpfungen, etwa den Probentransport mit Drohnen, aber auch die Anlieferung von Bluttransfusionen im Falle von Ergebnissen bzw. Interventionen.
ROBOTIK UND PRODUKTION: In welchen Bereichen innerhalb des Klinikökosystems sehen Sie den größten praktischen Nutzen von Robotern, und wo stoßen diese noch an Grenzen?
Die Unterstützung der Pflege ist noch ausbaufähig, wenn man die einzelnen Tätigkeiten wie Transport, Dokumentation etc. nicht mehr einzeln betrachten, sondern aus einem System lösen möchte. Hier spielt sich natürlich viel am Patienten ab. Die Entwicklung und Einführung humanoider Roboter ist sicher der nächste Schritt. Dies wird dann neue Maßstäbe und Herausforderungen für medicolegale und ethische Aspekte setzen. @Interview_Grundschrift: @Interview_Grundschrift:Die Logistik, die Reinigung/Hygiene und die Laboratoriumsmedizin sind bereits weit vorangeschritten und weitgehend autonom einsetzbar. Die Robotik im OP wird bereits eingesetzt und wird sich in Zukunft rasant verändern, bis hin zu autonomen Schritten. Die größte Herausforderung für die Automatisierung gegenüber dem Einsatz in der Industrie ist hier die Individualität des Patienten.
ROBOTIK UND PRODUKTION: Welche technologischen Entwicklungen treiben die Integration von Robotern im Klinikbereich besonders voran?
Letztendlich sind es die Rechenleistung und die Daten, die das neue Gold sind, sowie deren Verwaltung, Speicherung und Nutzung. Datenzentren und der daraus resultierende Stromverbrauch sind sicher die größten materiellen Herausforderungen. Das gilt auch für die verbauten Chips, die das Ganze antreiben. Das Lernen und Trainieren der Roboter, also die Herangehensweise, Roboter nicht mehr nur mit Sprachmodellen und auch nicht mehr nur nach menschlicher Logik an Problemlösungen heranzuführen, ist sicher der größte und herausforderndste Schritt. Die dadurch geschaffene Realität stellt für den Menschen wahrscheinlich die größte ethische Herausforderung dar. Gerade im Hinblick auf die Interaktion zwischen Mensch und Maschine, etwa im OP, stellt die Dreieckskonstellation Mensch-Maschine-Mensch, also Operateur-Roboter-Patient, eine besondere Herausforderung dar.
Aktuell brauchen wir Ki-basierte Software-Lösungen und Robotiksysteme, um den Klinikalltag zu bewältigen.
Szabolcs Szeöke, Christiliches Klinikum Paderborn
ROBOTIK UND PRODUKTION: Wie verändern Roboter das Patientenerlebnis im Vergleich zu klassischem, menschlichem Kontakt, z.B. in der Krankenpflege?
Ein Teil, etwa der Einsatz von Robotik im OP, spielt sich für den Patienten ja eher im Kopf, in der Vorstellung ab. Der Patient hat keine mentale, Konversations-Ebene/Erlebnis mit den Robotersystemen. Bei mir etwa in der Neurochirurgie gewährleisten diese Systeme aber die Präzision bis zu 100 Prozent. Sie arbeiten nicht autonom, sondern unterstützend, kollaborativ. Im Klinikalltag, also in der Logistik und im Transportbereich oder etwa in der Pflege, sind sie sehr positiv. Da die Robotersysteme Arbeiten und Services für die Patienten erledigen, verbessern sie die Versorgung bzw. machen sie erst möglich. Mit zunehmendem Einsatz muss die Gesellschaft, nicht nur der Patient, das Thema Robotik breiter und alltäglich sichtbarer diskutieren und gemeinsam weiterentwickeln. Dass diese Systeme im Alltag immer mehr Aufgaben verrichten werden, sollte einer gewissen Logik und einem gesellschaftlichen Konsens folgen.
ROBOTIK UND PRODUKTION: Welche Unterschiede in der Akzeptanz beobachten Sie zwischen verschiedenen Patiententypen (z.B. jüngere vs. ältere Patienten)?
Das könnte ein Paradoxon sein. Die Jüngeren haben im Alltag mit neuen Technologien mehr zu tun. Das Erlebnis der Umgang ist natürlicher, selbstverständlicher. Jedoch ist der ältere Teil der Gesellschaft auch physisch mehr auf Robotik angewiesen und hat im Klinikalltag eher Kontakt im Umgang mit spezifischen Systemen:, wie z.B. Pflegeroboter.
ROBOTIK UND PRODUKTION: Inwiefern können Roboter Krankenhäusern tatsächlich helfen, Personalengpässe zu kompensieren?
Das Wort demographischer Wandel ist in aller Munde. Doch genau dadurch wird das Gesundheitswesen auf der ganzen Welt an seine Grenzen gebracht. Wir haben immer mehr Patienten. Diese Patienten sind immer fragiler. Das bedeutet, dass speziellere Behandlungsformen notwendig sind (minimalinvasiv, schonend, zeitlich kurz). Die Gesellschaft und diese zunehmende Patientenzahl fordern im Wissenszeitalter, in dem wir leben, immer individuellere und speziellere Behandlungsformen („ich habe das mal gegoogelt“, „ChatGPT empfiehlt…“, „ich kennen einen Arzt in Wien, der …“). Aber auch das Wissen nimmt schlichtweg exponentiell zu. Der einzelne Facharzt kann die aktuelle Datenlage ohne KI-Unterstützung gar nicht mehr in individuelle Medizin (tagesaktuell) umsetzen. Ein anderer Aspekt ist, dass dadurch auch einfach zu wenig Nachwuchs nachrückt. Das heißt, es kommen einfach zu wenige nach. Die Berufe Pflege und Arzt sind immer weniger attraktiv geworden, vor allem aufgrund der Art der Arbeit (mentale und physische Belastung) und der daraus resultierenden Arbeitszeiten. Robotik kann hier wieder das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Zuwendung zum Patienten im Beruf des Arztes und Pflegers gegenüber dem Verwaltungswahn, dem man gerade ausgesetzt ist, annähern, vielleicht sogar erreichen. Also Entlastung/Unterstützung bei Dokumentation, Datenanalyse und Planung. Dadurch wird das Jobprofil attraktiver und auch die Arbeit am/mit Patienten.
ROBOTIK UND PRODUKTION: Welche Aufgaben im Krankenhausbetrieb sind auch langfristig schwer automatisierbar und erfordern menschliche Interaktion?
Automatisierung bedeutet nicht zwangsläufig, dass Arbeitskräfte ersetzt werden. Natürlich ist es eine Mär, dass Roboter keine Arbeitskräfte ersetzen werden. Im Gesundheitssystem geht es jedoch aktuell mehr ums Überleben als um Servicequalität. Das heißt, aktuell brauchen wir KI-basierte Software-Lösungen und Robotiksysteme, um den Klinikalltag zu bewältigen. Hier bedarf es des Transfers von Aufgaben wie Datenaquise, Datenanalyse, Datenauswertung und -verarbeitung sowie automatisierter Teilschritte wie Logistik/Transport, aber auch in der Patientenjourney (Onboarding, Begleitung, in Zukunft dann auch verknüpft mit den Daten des Patienten). Durch den Einsatz dieser Technologie sollen sich Arzt und Pflege nicht vom Patienten entfremden, sondern ihm wieder näherkommen. Durch Entlastung haben sie mehr Zeit für menschliche Interaktion mit dem Patienten. Das wird davon abhängen, ob die Robotik in der Klinikleitung komplementär oder ersetzend eingesetzt wird.
ROBOTIK UND PRODUKTION: Welche Rolle spielt der Datenschutz, wenn ein Roboter bzw. KI Daten über Patienten sammelt?
Dies ist ein Bereich, dessen Auswirkungen noch gar nicht abzusehen sind. Vor allem die Dimension des gläsernen Patienten und deren Auswirkungen im Alltag sind noch nicht abzusehen. Das heißt bei Versicherungsangelegenheiten, Einstellungen, Weiterbeschäftigung etc. Tatsache ist aber auch, dass die aktuellen Lösungen nicht ausreichen, da sie eine Weiterentwicklung massiv hemmen. Gerade in Deutschland stehen sie einer Entwicklung wie ein Nadelöhr entgegen. Nicht ohne Datenschutz, aber klüger gelöst.
Der eigentliche Gamechanger iist der Einsatz von Humanoiden und deren Weiterentwicklung.
Szabolcs Szeöke, Christiliches Klinikum Paderborn
ROBOTIK UND PRODUKTION: Wie könnte das ‘hybride Krankenhaus’ der Zukunft aussehen, in dem Mensch, Roboter und KI zusammenarbeiten?
Das möchte ich mit Piloten im Christlichen Klinikum Paderborn und der bbt-Gruppe umsetzen. Über unser jährliches Robotik-Summit in Paderborn entwickeln wir den Einsatz von KI und Robotik im Gesamtökosystem einer Klinik. Im ersten Schritt steht eine Analyse mit dem Fraunhofer-Institut an, um Schnittstellen zu identifizieren, an denen KI- und Robotik-Lösungen eingesetzt werden können. Anschließend erhält man eine (individuelle) Blaupause, anhand derer man den Einsatz von Robotik und KI planen und anpassen kann.
Am Ende ist sicher eine Art Chief Robotic Officer sinnvoll. Am Anfang steht eine strategische Entscheidung mit einer Vision, gefolgt von der Umsetzung mit dem CRO, um einen sinnvollen Einsatz im Gesamtökosystem der Klinik zu gewährleisten. Dies ist letztendlich der nächste Schritt der Digitalisierung und Transformation im Gesundheitswesen, wozu auch die Verschmelzung von KI und Robotik gehört. Ähnlich wie beim IoT haben dann Mensch, Maschine und Patient einen vertikalen und horizontalen Alltag miteinander und nebeneinander. Dies betrifft alle Bereiche: den Transport von Waren, die Begleitung und Aufnahme des Patienten, die Untersuchung/operativen Schritte bis zur Entlassung und Reha-Maßnahmen. Der Datenfluss vor und nach der Behandlung wird über unsere Wearables verknüpft und vernetzt. Eine KI-Mastermind koordiniert Waren, Personal und Patienten.
ROBOTIK UND PRODUKTION: Welche Entwicklungen beim Robotikeinsatz im Klinikökosystem erwarten Sie in den nächsten fünf bis zehn Jahren?
Am einfachsten wäre der Einsatz in den Bereichen Logistik, Transport, Reinigung und Laboratoriumsmedizin. Diese Systeme sind bereits jetzt einsetzbar und werden auch bereits eingesetzt. Der eigentliche Gamechanger ist der Einsatz von Humanoiden und deren Weiterentwicklung. Die Verschmelzung von KI mit Robotik (vor allem mit Humanoiden) bildet dann das Fundament für einen flexiblen, flächendeckenden Einsatz. Hindernisse, etwa baulicher Natur, wie Treppen, Lifte und Internetanbindung, werden dann keine Rolle mehr spielen. Die medicolegalen und vor allem die ethischen Herausforderungen werden damit jedoch exponentiell wachsen. Darüber sollten wir jetzt reden und nicht erst danach, wenn wir Menschen uns selbst überholen und überfordern.
Die Fragen stellte Frauke Itzerott
Ressortleiterin Robotik und Chefredakteurin ROBOTIK UND PRODUKTION. Hat einen Kollegen, der sich vor humanoiden Robotern fürchtet, kann ihn aber immer wieder beruhigen.
Robotic Summit
Dass das internationale Event Robotic Summit ausgerechnet in Paderborn stattfindet, ist kein Zufall. Die Stadt gilt seit den Zeiten des Computerpioniers Heinz Nixdorf als wichtiger Technologiestandort in Deutschland. Wo einst Nixdorf die Grundlagen der modernen Informationstechnologie legte, kommen heute zum Robotic Summit Ärzt*innen, Pflegekräfte, Ingenieur*innen, Startups und Industrieakteure zusammen, um zu diskutieren, wie Robotik, Automatisierung und KI die Arbeitswelt in Kliniken entlasten und verbessern können.















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