
ROBOTIK UND PRODUKTION: Erzählen Sie uns doch erst einmal etwas über Ihre Position bei Yamaha Motor Europe. Was sind Ihre Aufgaben als Branch Manager?
Ai Nagakubo: Unsere Niederlassung in Neuss ist der europäische Hauptsitz von Yamaha Robotics. Wir gehören zu Yamaha Motor Europe mit Sitz in den Niederlanden und sind letztlich Teil der sehr viel größeren Yamaha Motor Corporation in Japan. Wir kümmern uns um den Verkauf und den Service bzw. Support für SMT-Montagesysteme sowie um Yamahas Portfolio an Industrierobotern für Montageaufgaben, die in den Zuständigkeitsbereich unserer Abteilung Factory Automation fallen.
Als Niederlassungsleiterin von Yamaha Robotics kümmere ich mich um die Kommunikation auf Direktorenebene zwischen unserer Niederlassung und den Unternehmensniederlassungen in den Niederlanden und Japan. Ich berichte über die Zielerreichung bezüglich der Vorgaben, melde finanzielle Ergebnisse und treffe alle notwendigen Entscheidungen. Außerdem kümmere ich mich um die Kommunikation mit dem Geschäftsbereich Yamaha Robotics in Japan. Zu meinem Dialog mit Japan gehört auch die Rückmeldung von Informationen, die auf unserer Kenntnis des europäischen Marktes und den Bedürfnissen unserer Kunden basieren, um die künftige Produktentwicklung mit zu beeinflussen. Hier in Deutschland leite ich das Europageschäft und führe das Team, um die Herausforderungen zu meistern, die mit dem weiteren Aufbau eines Unternehmens und der Ausweitung unseres Vertriebs- und Kundenstamms verbunden sind.
Das Unternehmen wurde 2011 in Deutschland gegründet, um Originalausrüstung und Lösungen für die Oberflächenmontage in der Elektronikfertigung zu vermarkten. Unser Kundenstamm umfasst sowohl Fertigungsdienstleister als auch Erstausrüster mit teilweise sehr unterschiedlichen Bedürfnissen. 2019 haben wir die Abteilung Yamaha Factory Automation gegründet, um Yamahas Portfolio an Industrierobotern zu vermarkten. Diese können in einer Vielzahl von Branchen eingesetzt werden. Die Aufgabenstellungen unterscheiden sich deutlich von denen im SMT-Bereich. Wir konnten schnell ein Vertriebsnetz aufbauen, das auch Distributoren und Systemintegratoren mit Erfahrung in der Robotik umfasst.
In Zeiten ständigen Wandels muss man sich darauf einstellen, die sich bietenden Chancen beherzt zu ergreifen und sie in Erfolge umzuwandeln.
Ai Nagakubo, Yamaha Robotics
ROBOTIK UND PRODUKTION: Welche Fähigkeiten und Qualifikationen mussten Sie für diese Position mitbringen?
Ich sehe Kommunikationsfähigkeit als eine meiner Stärken an. Meine Ideen zu formulieren und mich klar auszudrücken, hat mir in früheren Positionen zum Erfolg verholfen und hilft mir jetzt, das Vertrauen meines Teams zu gewinnen. Meine Sprachkenntnisse umfassen Englisch, Japanisch und Deutsch, was bei der Kommunikation mit unserer multinationalen Belegschaft sowie unseren Partnern und Kunden hilfreich ist.
Da ich eine der ersten Mitarbeiterinnen in dieser Niederlassung war, bin ich mit dem Unternehmen, seiner Geschichte, seinen Zielen und seiner Struktur bestens vertraut. So war ich in der Lage, in diesem Umfeld zu arbeiten und die notwendigen Veränderungen vorzunehmen, während das Unternehmen wuchs und sich in Europa fest etablierte. Ich konnte nach und nach mehr Verantwortung innerhalb des Unternehmens übernehmen, bis ich meine jetzige Position als Leiterin des Robotikgeschäfts in Europa erreicht habe.
ROBOTIK UND PRODUKTION: Welche Herausforderungen mussten Sie auf dem Weg in diese Position meistern?
Ich bin seit der Gründung dieser Niederlassung im Jahre 2011 mit dabei. Die Unternehmensstruktur hat sich durch die stärkere Integration in Yamaha Motor Europe erheblich verändert. Meine Aufgaben haben sich im Zuge dieser Veränderungen entsprechend angepasst, sodass ich mir neue Fähigkeiten aneignen musste, insbesondere in Bereichen wie Unternehmensführung, Finanzen und Personalwesen. Indem ich all das Wissen aufgenommen habe, das mit diesen wechselnden Aufgaben verknüpft war, konnte ich mir weitere Fähigkeiten aneignen, von denen ich jetzt in der neuen Position als Niederlassungsleiterin profitiere.
Ich bin überzeugt, dass man sehr flexibel sein muss, weil sich ein Geschäft wie dieses ständig weiterentwickelt: Man muss bereit sein, Neues zu lernen, Menschen überzeugen können und engagiert sein. Man muss sich sehr schnell anpassen können, denn Veränderungen gibt es unentwegt. Unser Team in Neuss ist schnell gewachsen, wir haben das Geschäft mit Oberflächenmontage-Systemen von Sigma übernommen, und wir waren froh, dass es geklappt hat, die Teams zusammenzuschmieden, die dieses Geschäft vorangetrieben haben. Später wandelten wir uns von einem ursprünglich in Deutschland registrierten Unternehmen zu einer Niederlassung der niederländischen Yamaha Motor Europe.
In Zeiten ständigen Wandels muss man sich darauf einstellen, die sich bietenden Chancen beherzt zu ergreifen und sie in Erfolge umzuwandeln. Ich habe sehr eng mit jedem Teammitglied zusammengearbeitet, als wir die Präsenz von Yamaha in Europa ausgebaut und gefestigt haben. Wir haben unser Verkaufs- und Distributionsnetz erweitert und unsere Serviceleistungen verstärkt. Auch wenn es eine harte Lernkurve war, war das alles sehr spannend und lohnenswert.
Ich wünsche mir, dass mehr Frauen künftiger Generationen eine Karriere in der Technik in Betracht ziehen und die Chancen auf persönliche Unabhängigkeit und Erfüllung nutzen.
Ai Nagakubo, Yamaha Robotics
ROBOTIK UN DPRODUKTION: Was glauben Sie, warum Positionen wie die Ihre immer noch selten mit Frauen besetzt sind?
Noch immer interessieren sich relativ wenige Studentinnen für Technik, Mathematik oder Naturwissenschaften. Noch weniger streben eine Laufbahn im Ingenieurwesen an oder interessieren sich so stark für Technologieunternehmen, dass sie auch andere Funktionen anstreben, wie z.B. in Rechts- oder Finanzabteilungen. Diese Funktionen könnten dann zu Positionen führen, die die Unternehmen formen und leiten.
Über Generationen hinweg hat sich die Überzeugung gefestigt, dass technische Aufgaben und Spitzenpositionen Männern vorbehalten sind. Das wird nicht wirklich in Frage gestellt, obwohl es einige bemerkenswerte weibliche Vorbilder in den Bereichen Technologie und Wirtschaft gibt. So ermutigt Yamaha Robotics hochbegabte Frauen und beruft sie kontinuierlich in Top-Management-Positionen – darunter auch unsere derzeitige Geschäftsführerin – und würdigt damit deren Engagement, Kreativität und Fähigkeiten. Das ist meine Inspiration, um erfolgreich zu sein und zur Schaffung eines günstigeren Umfelds für Frauen beizutragen.

Trotz der historisch gewachsenen Gegebenheiten nimmt die Zahl erfolgreicher Frauen in Technologieunternehmen zu, und wir alle, die wir heute diese Positionen innehaben, können für jüngere Frauen als Vorbilder dienen. Ich wünsche mir, dass mehr Frauen künftiger Generationen eine Karriere in der Technik in Betracht ziehen und die Chancen auf persönliche Unabhängigkeit und Erfüllung nutzen.
ROBOTIK UND PRODUKTION: Was tun Sie und Ihr Unternehmen, um Frauen im Technikbereich zu fördern? Wie unterstützen Sie es, dass Frauen zunehmend auch höhere Führungspositionen erreichen?
In dem Zeitraum, seit dem Yamaha Robotics in Europa tätig ist, hat sich die Entwicklung des flexiblen Arbeitens fest etabliert. Ich habe persönlich die Entwicklung hin zum Home-Office miterlebt, insbesondere während und nach der Pandemie. Dieser Trend ist nicht geschlechterspezifisch. Dennoch können Frauen die Gelegenheit nutzen, Zeit und Energie in die Entwicklung ihrer Karriere zu investieren. Herkömmliche Arbeitspraktiken haben das nicht besonders unterstützt.
Unsere Niederlassung hat mit großer Entschiedenheit flexible Arbeitsformen eingeführt. Ich gehe davon aus, dass sich diese Arbeitsformen weiter durchsetzen werden und Frauen befähigen, in unserer Organisation eine lohnende Karriere zu machen.
ROBOTIK UND PRODUKTION: Was raten Sie jungen Menschen, die Ambitionen haben, einen ähnlichen Weg wie Sie einzuschlagen?
Wir entwickeln uns in jeder beruflichen Position, die wir einnehmen, weiter. Auf diesem Weg finden wir Lösungen, entwickeln Prozesse und bauen Fachwissen auf, indem wir ständig lernen, kreativ sind und unsere Kompetenzen erweitern. Aus Erfahrungen zu lernen und unsere Fähigkeiten ständig zu verbessern, unterstützt unser berufliches Weiterkommen und hilft, bessere Ergebnisse zu erzielen und letztlich höhere Verantwortlichkeiten und Positionen zu erreichen. Wenn wir kreativ sind, unser Wissensspektrum erweitern und uns in kritischem Denken üben, werden wir mit Anerkennung und Zufriedenheit belohnt. Wissen und Zuversicht, kombiniert mit Zielstrebigkeit und Visionen, werden zu neuen Herausforderungen und Möglichkeiten führen.
Ai Nagakubo, Yamaha Robotics
Das Interview führte: Frauke Itzerott
Ressortleiterin Robotik und Redakteurin ROBOTIK UND PRODUKTION. Hat einen Kollegen, der sich vor humanoiden Robotern fürchtet, kann ihn aber immer wieder beruhigen.















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