Großvolumige, mitwachsende Flotten

„Gemeinsam mit DS Automotion passen wir das System ständig an Erweiterungen und bauliche Veränderungen des Krankenhauses an“, erläutert Bultmann. „Zu diesen gehörten der Umzug der Zentralküche oder das 2019 neu errichtete Centrum für Integrierte Onkologie (CIO).“ Die Transportroboterflotte ist nach mehreren Erweiterungen der AWT-Anlage von ursprünglich 65 auf mittlerweile 94 Stück angewachsen, davon sind mindestens 80 permanent im Einsatz. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um anlagenspezifisch entwickelte und hergestellte Unterfahr-FTS.

Nach jedem Transport übergeben die FTS die Container an die automatische Fördereinrichtung einer Reinigungs- und Desinfektionsanlage, die sie nach der Behandlung wieder zur Abholung bereitstellt. (Bild: DS Automotion GmbH / Nik Fleischmann)
Nach jedem Transport übergeben die FTS die Container an die automatische Fördereinrichtung einer Reinigungs- und Desinfektionsanlage, die sie nach der Behandlung wieder zur Abholung bereitstellt. (Bild: DS Automotion GmbH / Nik Fleischmann)

Intelligent, wendig und ressourcenschonend

Die FTS in der Uniklinik Köln kontrollieren die Einhaltung des vom Leitsystem vorgegebenen Kurses per Magnetpunktnavigation selbst. Das geschieht durch gelegentliche Überprüfung anhand im Boden eingelassener Magnete. Aufgrund ihres Differenzialantriebes ist es ihnen jederzeit möglich, enge Kurven zu fahren oder auch im Stand zu wenden. Auch in Sachen Sicherheit gehen Hersteller und Betreiber keine Kompromisse ein. Die Sicherheits-Laserscanner der FTS gewährleisten ein zuverlässiges Anhalten vor Hindernissen und damit ein Höchstmaß an Personensicherheit. Aus Gründen der Ressourcenschonung heben die FTS die Rollcontainer zur Beförderung nicht an, sondern üben einen Anpressdruck von 50kg aus und gewährleisten so eine sichere Traktion. Dadurch kommen sie ohne massive Hebevorrichtung und mit geringerer Motorleistung aus. Das wirkt sich vorteilhaft auf die Reichweite der batteriebetriebenen Fahrzeuge aus. Die Fahrzeuge der ersten Generation schaffen mit ihren Blei/Gel-Akkus eine Fahrzeit von 5 bis 6h. Etwa ein Drittel aller Fahrzeuge wurde bereits durch solche einer neueren Generation ersetzt. Dabei wurden bei gleichbleibender Geometrie Mechanik, Elektronik sowie die Direktantriebe komplett überarbeitet und auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Neu eingesetzte Lithium/Eisenphosphat-Akkus ermöglichen durchgehendes Fahren über die gesamte 20-stündige Betriebszeit.

Flexible AWT-Anlage

„Die meisten Transporte von Speisen, Lager- und Apothekenware, Sterilgut, Getränken und Müll erfolgen während der Regelbetriebszeit, die von 05:30 bis 22:00 Uhr dauert“, sagt Bernd Winklhöfer, Bereichsleiter AWT-Anlage bei Medfacilities Betrieb. „Dringende Sterilguttransporte finden jedoch auch außerhalb dieser Zeiten statt.“ Bestimmte Containertypen haben fixe Ziele, so fährt z.B. von der Bettenstation ein Müllcontainer immer zum Recycling-Zentrum oder ein Speisencontainer stets zur Küche. Die meisten Sendungen werden von den Mitarbeitern per Eingabe an einem der zahlreichen Aufgabeterminals individuell abgeschickt. Auch von diesen hier sogenannten Taufstationen gibt es mittlerweile zwei Generationen, deren neuere mit Touchscreen und QR-Code-Scanner für die Behälteridentifikation ausgestattet ist. Die Fahrten werden im Taxi-Modus abgewickelt: Das am nächsten befindliche freie FTS begibt sich zum Aufgabeort, um den Behälter abzuholen und zu seinem Ziel zu bringen. Dabei nutzen die Fahrzeuge nicht nur das unterirdische Gangsystem, in dem an Engstellen ein unsichtbar geregelter Begegnungsverkehr stattfindet. Etwa 15 Gebäude sind nicht an das Tunnelsystem angeschlossen. Deshalb bedienen die Roboter auch eine Ladezone, von der die Rollcontainer per LKW weiter transportiert werden. In acht Gebäuden stehen den FTS elf Lifte und zwei Hebebühnen zur Verfügung, die sie selbstständig anfordern, um die Ebene zu wechseln. So gelangen sie in die 20 Stockwerke des 100m hohen Bettenhauses oder zur Sterilisation in der zweiten Etage des Versorgungshauses. Sauberkeit und Hygiene sind in einem Krankenhaus das A und O. Deshalb bringen die FTS die Container nach jedem Transport in eine von vier Reinigungs- und Desinfektionsanlagen. Dort werden sie von einer Förderanlage automatisch übernommen, durch die Anlage gefördert und nach der Reinigung wieder bereitgestellt.