Auf der letzten Automatica hat Estun den Strategy Plan 2025 vorgestellt. Welche der gesteckten Ziele wurden bereits erfüllt?
Gerald Mies: Wir haben bereits fast alle Ziele erreicht. Wir haben insgesamt acht Niederlassungen in Europa gegründet. Das war eine große Herausforderung. Die Harmonisierung ist in Europa längst nicht so weit fortgeschritten, wie man gemeinhin annimmt. Dennoch haben wir es geschafft, diese acht neuen Niederlassungen mit erfahrenen CEOs zu besetzen. So wollen wir den Erwartungen begegnen, die der europäische Markt an uns hat. In China ist Estun bereits Marktführer. In Europa müssen wir uns noch beweisen. Aber wir haben das gesamte Roboterspektrum und auch alle Technologien dafür an Bord.
Woran wir noch arbeiten ist die Einführung bestimmter Produkte auf dem europäischen Markt. Die Roboter von Estun wurden in erster Linie für den chinesischen Markt entwickelt und hier gibt es erhebliche Unterschiede. Z.B. gibt es in China kein Schichtmodell wie in Deutschland. Die Produktionen in China laufen 24/7. Arbeitet ein Roboter in Deutschland z.B. nur eine Schicht in der Maschinenbeladung. Dann muss er in diesen acht Stunden natürlich wesentlich schneller laden, um den ausreichenden Output zu erreichen. Wir mussten also unsere Produkte auf die jeweilige Region anpassen, was etwas mehr Zeit gekostet hat, als ursprünglich angekündigt.

Wie steht es um die Entwicklung der Programmiersprache Romeo & Juliet?
Mies: Das wird eines der Highlights auf der Automatica 2027. Mit der neuen Steuerungsgeneration wird Estun der einzige Roboterhersteller mit einer wirklich offenen Plattform sein. Das heißt, Anwenderinnen und Anwender können ihre eigene Bedienoberfläche auf unseren Roboter setzen. Dabei garantieren wir volle Knowhow-Absicherung. Über die Programmiersprache Romeo & Juliet konnten wir die Steuerung so weit öffnen, dass sich praktisch jeder darauf adaptieren kann. Für anspruchsvolle Robotikanwendungen entwickelt: Die drehbaren RQDR-Halter von FLEXA bieten eine platzsparende und robuste Kabelführung, die Cobots bei komplexen Bewegungsabläufen zuverlässig unterstützt. ‣ weiterlesen
Flexibler Kabelschutz für Cobots
Welche konkreten Produkte sind bereits aus der technologischen Offensive hervorgegangen?
Mies: Wir haben bereits eine Palettieranwendung realisiert, die voll und ganz auf die europäischen Belange angepasst ist, auch unsere kleinen Be- und Entladeroboter für Werkzeugmaschinen sind bereits ausgereift und sehr gefragt in Europa. In China haben wir nicht diese Platzprobleme wir hier. Dort kommen für die Maschinenbe- und -entladung z.B. wesentlich größere Roboter zum Einsatz, die dann natürlich auch mit schweren Doppelgreifern ausgestattet werden können, um noch effizienter zu arbeiten. Präzisionsgetriebe stellen hohe Anforderungen an Fertigung und Qualität. Liebherr bietet flexible Lösungen für die Herstellung von Zykloiden- und HarmonicDrive®-Verzahnungen – von der Prozessentwicklung bis zu Maschine, Schulung und Service. ‣ weiterlesen
Verzahnung für die Robotik
Welche Rolle spielt der neue Deutschlandstandort für die Präsenz von Estun in Europa?

Ralph Christnacht: Mit unserem ersten Headquarter in Schwäbisch Gmünd wollen wir Kundennähe zum gesamten deutschsprachigen Raum erzeugen. Deutschland ist das Epizentrum in Europa mit der höchsten Produktionsdichte. Mehr als 2/3 des Robotermarktes in Europa finden in Deutschland statt. Hinzu kommt noch, dass mehr als 50% der Entscheidungen zum Einsatz von Robotern in Deutschland getroffen werden, auch wenn diese dann später z.B. in Tschechien eingesetzt werden. Insofern ist die Bedeutung dieses Standorts in Europa sehr hoch.
Und warum Schwäbisch Gmünd?
Christnacht: Der entscheidende Grund für Schwäbisch Gmünd ist die Kundennähe. Unsere wichtigsten Kunden befinden sich alle im Umkreis von etwa 150km. Das ist ein großer Vorteil. Außerdem hatten wir hier die Gelegenheit unser Headquarter auf dem Bosch-Gelände aufzuschlagen, was uns ein riesiges Kundenpotenzial bietet. Unser Nachbar ist die technische Akademie, die ausbilden kann. Und Baden-Württemberg ist natürlich aufgrund der ansässigen Zuliefererindustrie sehr attraktiv.















