Sechs Jahre später bekam YuMi doppelt Gesellschaft durch den Marktstart der beiden Cobot-Familien GoFa und Swifti. Sie eröffneten mit mehr Traglast und höherer Geschwindigkeit neue Möglichkeiten in Fertigungsbetrieben aller Größen. Von der Hardware bis zur intuitiven Programmierung: Die Cobots von ABB sind auf das reibungslose Miteinander mit menschlichen Kollegen getrimmt. So öffnet die Lead-Through-Programmierung von GoFa auch Mitarbeitenden ohne Robotikexpertise den Zugang zur Automatisierung. Für eine weitere Demokratisierung der Cobot-Welt sorgt auch das 2023 gelaunchte Robotics-as-a-Service-Modell (RaaS). Wer gerade erst seine Automatisierungsreise beginnt, kann damit ohne große Investitionsverpflichtungen Robotik erkunden und testen. Auch Hersteller, die mit Cobots kurzfristige Auftragsspitzen überbrücken wollen, profitieren von dieser Flexibilität.

Vom Fließband zum Netzwerk
Der Individualisierungs-Boom der letzten Jahre treibt den Wandel der klassischen Fertigungsstraße hin zu flexiblen, modularen Fertigungskonzepten. Um dieser Vielfalt Herr zu werden, müssen sich auch Roboter in Bewegung setzen. Genau dies tun autonome mobile Roboter, kurz: AMR. Schnell und agil transportieren sie Teile, Materialen und Werkzeuge zwischen verschiedenen Prozessschritten. Durch die Übernahme des AMR-Anbieters Asti Mobile Robotics im Jahr 2021 kann ABB mit der Flexley-Familie auch mobile Roboter anbieten. Damit sich diese noch flinker und autonomer durch die Fabrik der Zukunft bewegen, übernahm ABB im Jahr 2024 das Schweizer Startup Sevensense, einen führenden Anbieter von KI-gestützter 3D-Vision-Navigationstechnologie.
Industrieroboter, Fertigungszellen, Cobots, AMR, RaaS, SafeMove, RobotStudio: Nach 50 Jahren Evolution spiegelt das Portfolio von ABB Robotics die Vielfalt der heutigen Fertigungslandschaft. Gleich geblieben ist das Erfolgsrezept: Synergien aus leistungsstarker Hardware und intelligenter Software nach allen Regeln der Ingenieurskunst.
Interview mit Jörg Rommelfanger, Leiter der Robotics-Division von ABB in Deutschland
„Demokratisierung der Robotik“
ROBOTIK UND PRODUKTION: Welche Herausforderungen sind in den nächsten Jahren für Sie als Robotikanbieter zu stemmen, Herr Rommelfanger?
Jörg Rommelfanger: Als Automatisierungspartner müssen wir unsere Kunden in der komplexen Gemengelage abholen, in der sie sich aktuell befinden. Oft verfolgen wir gemeinsame Ziele, siehe das Paradebeispiel Dekarbonisierung. Wir als ABB streben ebenso wie unsere Kunden die Balance zwischen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit an: durch langlebige Produkte und Technologien, einen sparsamen Ressourceneinsatz und energieeffiziente Prozesse. Auch der Fachkräftemangel wird die Industrie noch eine ganze Weile beschäftigen. Er verlangt nach einer Demokratisierung von Robotik. Auch Mitarbeitende ohne Expertenwissen müssen einen Zugang zur Robotik bekommen. Nicht zuletzt wächst die Automatisierungslandschaft spürbar zusammen. Sowohl auf der Mikro-Ebene, also innerhalb einer Fabrik, als auch auf der Makro-Ebene, wenn Netzwerke und Ökosysteme entstehen. Interoperabilität ist hier das Gebot der Stunde.
ROBOTIK UND PRODUKTION: Was sind die Voraussetzungen, damit sich die Demokratisierung der Robotik fortsetzen und flächendeckend etablieren kann?
Demokratisierung heißt auch: Nicht die bestehende Fabrik muss sich an den Roboter anpassen, sondern umgekehrt. Hier hat sich der Baukastenansatz bewährt. In unserem Online-Shop finden Kunden sowohl vorintegrierte als auch konfigurierbare Lösungen zum direkten Einsatz. Für einen leichten Einstieg in die Automatisierung sorgen auch unsere standardisierten Fertigungszellen, die direkt einsatzbereit sind. Cobots und mobile Roboter sind aufgrund ihrer leichten Integration in bestehende Fertigungsumgebungen ebenfalls zunehmend gefragt. Diese Flexibilität senkt auch die Einstiegshürden für andere Branchen wie die Bauindustrie, Life Sciences oder das Gesundheitswesen. Ein weiterer wichtiger Faktor steckt in den Köpfen. Wie gestalten wir das Programmieren und Bedienen von Robotern für einen größeren Kreis von Mitarbeitenden eingängiger? Deswegen forcieren wir bei ABB die intuitive Roboterprogrammierung. Zudem kooperieren wir im Rahmen unserer Bildungsinitiativen mit Schulen und Universitäten, damit auch die nächste Generation mit der Automatisierung per Du ist.

ROBOTIK UND PRODUKTION: ABB versorgt seine Kunden mit klassischen Industrierobotern, Cobots, fahrerlosen mobilen Transporteinheiten und der passenden Software. Dazu werden auch komplette Lösungen für spezielle Anwendungen und Funktionsbereiche angeboten. Wie viel Systemkompetenz müssen Sie heute vorhalten und wann setzen Sie lieber auf Partner?
Durch unser globales Netzwerk an Kompetenzzentren und Systemintegratoren können wir ein immer breiteres Applikationsspektrum abdecken. Hier setzen wir, wann immer möglich, auf den Ansatz Local for Local in Form von regionalen Solution Centern zu Schwerpunktthemen, etwa Intralogistik in Belgien, Verpacken in Polen oder Schweißen und Metallbearbeitung in Tschechien. Besonders stolz sind wir auch auf unser Lackiertechnikum in Friedberg. Unsere Kunden haben hier die Möglichkeit, neue Technologien für die Fahrzeuglackierung zu testen. Wie etwa die PixelPaint-Lösung von ABB für eine effiziente und ressourcensparende, individuelle Lackierung in allen Formen und Farben. Außerdem pflegen wir seit vielen Jahren Partnerschaften zu Systemintegratoren mit langjähriger Erfahrung. Mit jeder kundenspezifischen Applikation versetzen wir Kunden gemeinsam in die Lage, das volle Potenzial der Automatisierung auszuschöpfen.
Nicht die bestehende Fabrik muss sich an den Roboter anpassen, sondern umgekehrt.
Jörg Rommelfanger, ABB
ROBOTIK UND PRODUKTION: Bitte wagen Sie einen Ausblick: Wenn ABB das 75. Robotikjubiläum feiert, welche Lösungen und Technologien werden dann die Robotik bestimmen?
Wir lehnen uns sicherlich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn wir davon ausgehen, dass die heutigen Entwicklungen weiter Fahrt aufnehmen werden. So glaube ich, dass die Fabrik der Zukunft in den nächsten Jahrzehnten noch stärker vernetzt wird. Dazu bleiben die Themen Interoperabilität und Standardisierung auch in Zukunft entscheidend. KI ist hier ein Schlüsselfaktor: Dank KI-basierter Technik werden Roboter zunehmend besser darin, flexibel und präzise mit einer immer dynamischeren Umgebung zu interagieren. Auch das Thema Nachhaltigkeit wird uns noch viele Jahre begleiten. Nicht zuletzt wünschen wir uns natürlich, dass sich Robotik noch weiter verbreitet, über Branchen- und Unternehmensgrenzen hinweg. Aber wenn ich mir den Status Quo anschaue, sind wir da auf einem guten Weg.
Die Fragen stellte: Mathis Bayerdörfer
Chefredakteur ROBOTIK UND PRODUKTION. Egal wie gut es sich im Text versteckt: Kein doppeltes Leerzeichen ist vor ihm sicher.















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