
ROBOTIK UND PRODUKTION: Delta Electronics ist als Investor bei Neura Robotics eingestiegen. Was waren die Gründe dafür?
Michael Mayer-Rosa: Neura Robotics gehört aus unserer Sicht zu den innovativsten Unternehmen im Bereich intelligente Fertigung und Zukunftstechnologien. Beeindruckend ist z.B. die KI-basierte Robotikplattform Neuraverse, die sämtliche Robotersysteme miteinander vernetzt. Alle Roboter sind in Echtzeit sicher mit ihrem digitalen Zwilling verbunden und profitieren von individueller Überwachung, Analyse und Performance-Optimierung. Dieses Konzept passt ausgezeichnet zu unserem eigenen Omniverse-Ansatz.

ROBOTIK UND PRODUKTION: Gibt es auch bei der Zusammenarbeit mit Nvidia Überschneidungen?
Absolut. Delta Electronics nutzt Nvidia Omniverse und OpenUSD, um Produktionslinien virtuell zu verknüpfen. Wir aggregieren 3D-Daten verschiedener Geräte zu einem digitalen Zwilling und generieren mit Nvidia Isaac Sim physikalisch präzise, fotorealistische synthetische Daten. Sie dienen dem Training unserer Computer-Vision-Modelle und der Simulation von Inspektionskameras. Neura Robotics setzt ebenfalls auf Omniverse, Isaac Sim, Isaac Lab und Cosmos, um KI-gestützte Robotik weiterzuentwickeln und die Lücke zwischen Simulation und Realität zu schließen.
ROBOTIK UND PRODUKTION: Wie genau hat sich Delta bei Neura engagiert?
Wir sind als strategischer Investor eingestiegen, nicht als reiner Finanzinvestor. Unser Ziel ist gemeinsames Wachstum. Die Technologien von Neura unterstützen uns bei der Entwicklung smarter Produktionskonzepte – bis hin zur Dark Factory, in der keine menschlichen Arbeitskräfte mehr benötigt werden.
ROBOTIK UND PRODUKTION: Unterscheiden sich Neuraverse und Omniverse in ihrer Funktionalität?
Ja, die Systeme verfolgen unterschiedliche Ansätze. Neuraverse ist als offene Plattform konzipiert – ähnlich wie bei Apple – und ist für alle Roboterhersteller und Systempartner zugänglich. Sie bietet Apps für verschiedene Anwendungen, etwa Bildverarbeitung oder Schweißen. Omniverse hingegen fokussiert sich auf die Digitalisierung und Verarbeitung von Produktionsdaten, wie wir sie bereits für unsere digitale Fertigung einsetzen. Damit lassen sich Prozesse vollständig virtualisieren und simulieren. Beide Systeme sind miteinander vernetzt.
ROBOTIK UND PRODUKTION: Was ist das Ziel der Partnerschaft mit Neura?
Wir wollen gemeinsam neue Technologien entwickeln und auf den Markt bringen, um Deutschland als Hightech-Standort für Robotik zu stärken. Um die Einstiegshürden auch für kleine Unternehmen noch weiter abzusenken, stellt Delta Electronics auf der Automatica auch erste Leasingmodelle vor, die den Einstieg noch attraktiver machen und für den Mittelstand erschwinglicher wird. Den ersten Schritt haben wir auf der Hannover Messe mit dem Cognibot Kit präsentiert: Durch ein 360°-Mikrofon-Array, 3D-Vision-Sensoren und eine Power AI Box erhalten unsere D-Bots kognitive Fähigkeiten wie Sprachsteuerung, 3D-Vision, Gestenerkennung, multimodale KI-Interaktion und akustisches Feedback. So kann ein Cobot z.B. auf einen Sprachbefehl hin einen Gegenstand aufnehmen und gezielt ablegen – Pick&Place-Aufgaben werden dadurch intuitiv erlernbar. Auf der GPU Technology Conference GTC in San Diego haben wir unseren D-Bot vorgestellt, der mit dieser Technik eigenständig den optimalen Weg von A nach B findet und Hindernissen ausweicht. Diese Funktionen werden künftig Teil von Omniverse und unserer Robotikplattform sein.
ROBOTIK UND PRODUKTION: Haben Sie dafür das Eco-Partnerprogramm ins Leben gerufen?
Genau. Wir wollen nicht alle Komponenten selbst entwickeln, sondern unsere Lösungen offen gestalten, sodass Systeme von Partnern integriert werden können. Bereits heute sind Greifer von Onrobot eingebunden, weitere Hersteller wie Schmalz und Schunk folgen. Unser Eco-Partnerprogramm wird stetig erweitert, um Kunden eine möglichst breite Zubehörpalette zu bieten – auch Produkte von Wettbewerbern, etwa Kamerasysteme, sind willkommen. Im Mittelpunkt steht immer der Kundennutzen.

ROBOTIK UND PRODUKTION: Welche weiteren Ziele verfolgt Delta Electronics in der Robotik?
Wir treiben die Entwicklung smarter, digitaler Fertigung weiter voran und beschleunigen diesen Prozess durch die Zusammenarbeit mit Neura, da wir deren Technik nutzen können. Und umgekehrt. Außerdem stellen wir eine Neuentwicklung für die Logistik vor: Ein AMR, das einen Cobot dorthin bringt, wo er gebraucht wird. Durch den Akku arbeitet der Cobot dort autark, während der AMR weitere Aufgaben übernimmt.
ROBOTIK UND PRODUKTION: Welche Aufgaben kann dieser Cobot übernehmen?
Der batteriebetriebene Cobot eignet sich gut für das Bewegen von Lasten bis 10kg bei begrenzter Reichweite. Für größere Traglasten oder Reichweiten wäre ein anderer Ansatz sinnvoller. Der große Vorteil: Kunden erhalten eine flexible, mobile Arbeitsplattform und sparen sich mehrere fest installierte Cobots. Ergänzend ermöglichen das MoovBase Multi-Port Charging System und das drahtlose MoovAir-Ladesystem ein effizientes, automatisiertes Laden von mobilen Robotern. Optional kann der Cobot mit unserer Vision-KI ausgerüstet werden, sodass er Aufgaben per Sprachbefehl oder Gesten erhält – Programmierung ist dann nicht mehr nötig.
Das Interview führte:
Frank Nolte, Chefredakteur SPS-MAGAZIN















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