
Automatisieren ohne Linienumbau
Dass diese Flexibilität nicht nur im Prospekt funktioniert, zeigt z.B. der Einsatz bei MultiPac in Ellwangen. Der für diverse Konsumgütermarken tätige Lohnverpacker hat durchgehend mit schwankenden Artikeln und Formaten zu tun. Manuelle Pick&Place-Prozesse sollten daher automatisiert werden, ohne die bestehende Verpackungsanlage zu ersetzen und ohne zusätzliche Fläche zu blockieren. Zwei TOG-Cobots greifen dort seit Sommer 2024 ungeordnet angelieferte Tuben, Klebestifte oder Duftclips und setzen sie präzise in vorbereitete Trays. Auf rund 6m² entstand so eine Automationsinsel, die ohne Vorvereinzelung auskommt und sich bei Formatwechseln mit einem einfachen Werkzeugtausch anpassen lässt.
Teilautomatisierung auf kleinem Raum
Noch kompakter präsentiert sich TOG in der Minderleinsmühle in Kalchreuth. Der fränkische Biohersteller wollte die Verpackung seiner Müsliriegel teilautomatisieren, weil Handarbeit knappes Personal band und eine große Anlage weder zum Platz noch zum Prozess gepasst hätte. Der TOG-Cobot steht dort auf nur etwa 1,5×1,4m und legt bis zu 70 Riegel pro Minute in neun Faltschachteltypen mit unterschiedlichen Packschemata. Die Schachteln werden weiter händisch aufgerichtet und später verschlossen; den auf Dauer etwas monotonen Schritt dazwischen übernimmt die Zelle. Über ein Kamerasystem erkennt der Cobot die bewegte Schachtel, führt sie im Arbeitsbereich und legt die Riegel millimetergenau ab. Dass zwischen Anlieferung und Produktionsstart gerade einmal zwei Tage lagen, verdeutlicht, dass Pick&Place keinen Widerspruch zum Bedarf nach schnell einsetzbaren Lösungen darstellen muss.
Eingebunden in komplexere Linien
Beim Kosmetikproduzenten Annemarie Börlind wiederum ist der TOG-Cobot Teil einer kompakten, aber leistungsfähigen TLM-Abfülllinie für Naturkosmetik. Drei Cobots übernehmen dort am Linienanfang die Zuführung von Tiegeln, Flaschen, Deckeln und Pumpen, die anschließend abgefüllt, gesiegelt, verschlossen und etikettiert werden. Gerade bei Kosmetik mit unterschiedlichen Gebinden, Hygieneanforderungen und begrenztem Raum entscheidet eine flexible Zuführung mit über die Prozesseffizienz. Obgleich als Stand-alone-Automatisierung nutzbar, zeigt der TOG-Cobot in diesem Fall, wie die Integration in komplexe Systeme gelingen kann. Für anspruchsvolle Robotikanwendungen entwickelt: Die drehbaren RQDR-Halter von FLEXA bieten eine platzsparende und robuste Kabelführung, die Cobots bei komplexen Bewegungsabläufen zuverlässig unterstützt. ‣ weiterlesen
Flexibler Kabelschutz für Cobots
Schachteln aufrichten als standardisierter Prozess
Die erstmals auf der Fachpack 2025 in Nürnberg gezeigte TOG Erecting Unit folgt derselben Philosophie. Der Stand-alone-Schachtelaufrichter stellt Kartontrays bereit und übernimmt damit einen weiteren klar abgegrenzten Prozessschritt. Trotz modularem Konzept muss sich das zu 100 Prozent standardisierte Aufrichteaggregat nicht hinter ausgewachsenen Lösungen verstecken und liefert in unterschiedlichen Verpackungsanlagen eine Leistung von bis zu 60 Schachteln pro Minute. Der Ready-to-use-Gedanke wurde auch hier konsequent umgesetzt, dauert die Einrichtung von Schachtelformaten doch nur wenige Minuten und erfordert lediglich die Eingabe von Parametern wie Schachtelmaße und Leimpunkte. Letztere werden zudem besonders wirtschaftlich aufgebracht. Im Verbund mit einem gemeinsam mit Robatech entwickelten Leimgerät sorgt die Steuerung der TOG Erecting Unit dafür, dass genau so viel Heißkleber aufgetragen wird, um die Schachtel sicher zu verkleben. Präzisionsgetriebe stellen hohe Anforderungen an Fertigung und Qualität. Liebherr bietet flexible Lösungen für die Herstellung von Zykloiden- und HarmonicDrive®-Verzahnungen – von der Prozessentwicklung bis zu Maschine, Schulung und Service. ‣ weiterlesen
Verzahnung für die Robotik
Weniger Komplexität, mehr Spielraum
Der TOG-Cobot und die TOG Erecting Unit machen deutlich, wohin sich die Modulstrategie entwickelt: weg von der Einzellösung für den Sonderfall, hin zu einem System standardisierter Bausteine. Beide Einheiten übernehmen klar umrissene Aufgaben und zeigen, dass sich auch begrenzte Prozessschritte wirkungsvoll automatisieren lassen. Damit bilden beide Lösungen zugleich den Auftakt für eine breiter angelegte Modulwelt. Künftig sollen weitere Einheiten Schritte wie Tray-Entstapeln, Füllen und Verschließen abdecken und sich untereinander kombinieren lassen. Für Anwender entsteht daraus ein Baukasten, mit dem Verpackungslinien schrittweise wachsen können – ohne jede Veränderung zum Großprojekt zu machen. Für den deutschen Maschinenbau, dem nicht selten ein Hang zum Overengineering mit unnötig komplexen und kostspieligen Lösungen nachgesagt wird, eröffnet dieser Ansatz ein spannendes neues Kapitel: weniger Komplexität im einzelnen Modul, mehr Spielraum im Gesamtsystem.















