Prüfagenten und Basisprogramme für Robustheit und Qualität

Entscheidend ist, dass dieser Code nicht direkt an den Roboter gesendet wird. Vor der Ausführung erfolgen Simulation, Validierung und Adaption, etwa zur Prüfung und Plausibilisierung von Kollisionen und Greifstrategien. Gerade diese Kette aus Sprache, Wahrnehmung, Codegenerierung und Verifikation macht den Ansatz zur Nutzung generativer KI industriell relevant. Sie schafft Flexibilität bei garantierter Nachvollziehbarkeit, Robustheit und Sicherheit – denn auf dem Shopfloor reicht ‚wahrscheinlich richtiger‘ Code nicht aus.

Flexibel statt fest programmiert: Der Agentic Shopfloor Robot richtet sich selbstständig auf wechselnde Aufgaben ein.
Flexibel statt fest programmiert: Der Agentic Shopfloor Robot richtet sich selbstständig auf wechselnde Aufgaben ein. – Bild: Fraunhofer IEM / Azad Fares

KI macht Robotik wirtschaftlich

Für KMU liegt der Nutzen auf der Hand. Wenn sich Roboterprogramme zunehmend aus Sprache, Sensordaten und standardisierten Modulen ableiten lassen, sinkt die Abhängigkeit von tiefem Expertenwissen in herstellerspezifischen Programmiersprachen. Das bedeutet nicht, dass Robotikkompetenz überflüssig wird. Vielmehr wird sie in Werkzeuge überführt, die deutlich einfacher nutzbar sind. Unternehmen profitieren von geringerem Engineering-Aufwand, einer schnelleren Inbetriebnahme und einem leichteren Zugang zur Automatisierung, auch bei variierenden Prozessen, kleinen Losgrößen und häufig wechselnden Produkten.

Demontage, Schleifen, Schweißen: viele industrielle Einsatzzwecke

In wenigen Jahren könnte ein realistisches Szenario in der Fertigung von Kunststoffgehäusen wie folgt aussehen: Ein neuer, noch ungelernter Mitarbeiter weist einen Roboter per natürlicher Sprache an, eine individuelle Charge an Steckverbindern auf Kratzer und korrekt eingerastete Deckel zu überprüfen. Bestehende Grate sollen entfernt und fehlerhafte Teile ausgeschleust werden. Die Einrichtung erfolgt in wenigen Minuten – eine enorme Zeitersparnis im Vergleich zum langwierigen, teils stundenlangen Aufsetzen des Roboterprogramms. Der agentische Roboter überprüft die Gehäuse unter Berücksichtigung von Auftragsdaten aus dem ERP-System sowie unter automatischer Einstellung von Kamera und Beleuchtung. Grate werden automatisch erkannt und entfernt. Qualitativ minderwertige Gehäuse werden vom Roboter unter Dokumentation der Mängel automatisch zur Nachbearbeitung aussortiert.

Als anwendungsorientiertes Forschungsinstitut ist das Fraunhofer IEM ständig im Austausch mit Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Die Einsatzzwecke, die diskutiert werden, sind vielfältig: Große Mehrwerte durch die Technologie zeichnen sich etwa in Demontageprozesse automatisierter Fertigung (z.B. Schweißen, Schleifen) oder mobiler Robotik ab, bei denen Automatisierungslösungen eine Anpassung an veränderliche Umweltbedingungen sowie die Einbindung von spezifischem Wissen zur Prozessführung erfordern.

Erste Pilotunternehmen für agentische Robotik

Noch ist der Weg zu breit einsetzbaren selbsteinrichtenden Robotersystemen nicht abgeschlossen. Mit wachsender Aufgabenkomplexität steigen auch die Anforderungen an Bewegungsplanung, Recheneffizienz und Robustheit. Die KI-Systeme sind längst leistungsfähig genug, um hochkomplexe Aufgaben zu übernehmen. Jetzt geht es darum, ihre Ergebnisse nachvollziehbar, sicher und vertrauenswürdig zu machen.

Genau hier liegen aktuelle Forschungsfelder, die das Fraunhofer IEM bei der Entwicklung des Agentic Selfadaptive Shopfloor Robot im Rahmen des Leistungszentrums Engineering Automation untersucht. Gemeinsam mit Industriepartnern sollen in den nächsten Monaten verschiedene Anwendungen umgesetzt werden. Interessierte können dazu gerne mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ins Gespräch kommen, z.B. auf der FMB vom 3. bis 5. November in Bad Salzuflen.

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