
Sie forschen gerade zu mobilen Multi-Robotersystemen. Außerdem sind Sie Teil der Diversitätskommission Ihrer Fakultät an der TU Dortmund. Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
In der Wissenschaft ist der Arbeitsalltag nicht wirklich geregelt – zumindest nicht bei allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Und genau das finde ich am besten an diesem Job! Abseits von ein paar regelmäßigen Terminen darf ich meinen Alltag selbst gestalten – mich an bestimmten Tagen auf ein Thema konzentrieren und an anderen Tagen wieder auf etwas ganz anderes. Diese Freiheit schätze ich sehr. Natürlich gibt es auch Verwaltungsaufgaben. Und ich forsche nicht nur für meine Dissertation, sondern auch für unterschiedliche Projekte. Das Schöne daran: Die Projekte geben meistens nur eine Richtung und einen erwarteten Output vor – alles andere entscheiden die Forschenden selbst.
Die Mitgliedschaft in der Diversitätskommission unserer Fakultät gehört zur anderen Seite meines Arbeitsalltags. Informatik ist bekanntlich ein männerdominiertes Feld in Deutschland. Ich komme aber aus einem Land, wo das ganz anders ist – oder zumindest war: Dort gelten Informatik und Ingenieurwissenschaften auch als weibliche Disziplinen. Meine Mutter hat selbst Ingenieurwissenschaften studiert, musste ihr Studium aber leider wegen der Geburt meiner Schwester abbrechen. Gearbeitet hat sie trotzdem ihr ganzes Leben als technische Zeichnerin und Planerin. Generell waren Mädchen bei uns immer dabei – bei Reparaturen zu Hause, beim Radio bauen mit dem Opa, beim Auto reparieren. Deshalb war es für mich wirklich überraschend zu sehen, dass das in Deutschland so nicht der Fall ist. Und ich kann bis heute keinen guten Grund dafür finden.
Mit der Diversitätskommission habe ich die Möglichkeit, meine Ideen umzusetzen. Eine davon war ein Event, die Spring Talks 2026, bei dem es um die Frage ging: Warum ist Vielfalt in Wissenschaft und Wirtschaft so wichtig? In der Wirtschaft bedeutet fehlende Diversität unerschlossene Märkte, verlorene Kunden, entgangener Umsatz. In der Wissenschaft heißt es: blinde Flecken in der Forschung, Ergebnisse, die nicht für die ganze Gesellschaft gedacht sind – auch und gerade in der Robotik. Deshalb habe ich dieses Event ins Leben gerufen, wo wir genau das beleuchtet haben. Das Fazit? Diversität aktiv anzugehen, ist unbequem, anstrengend und erfordert Energie. Aber es gehört in die Strategie – nicht ins Nebenprogramm.
DEIB (Diversity, Equity, Inclusion, Belonging) ist natürlich auch mein Thema außerhalb der Universität. Ich muss ehrlich gestehen: Forschung allein ist mir nicht abwechslungsreich genug. Deshalb habe ich parallel dazu den Verein Deep Tech Collective mitgegründet – dort versuchen wir aus der Community heraus, den Weg für unterrepräsentierte Personen in Deep Tech zu erleichtern. Außerdem bin ich freiberuflich bei Reframing Pioneers tätig, wo ich KMUs durch Change Management dabei unterstütze, mit der Entwicklung Schritt zu halten. Das zahlt ebenfalls auf Diversität ein – weil diese Themen für mich schlicht untrennbar sind.
Welche Fähigkeiten und Qualifikationen mussten Sie auf dem Weg in Ihre jetzige Position mitbringen?
An sich sind die fachlichen Qualifikationen ziemlich straightforward: analytisches Denken, die Fähigkeit, komplexe Probleme anzugehen, ein gutes Maß an Kreativität – aber auch Ordnung. Und natürlich ein solider Masterabschluss sowie Neugier. Was ich persönlich mitbringen musste, war vor allem Geduld. Ich habe mein Bachelorstudium im Oktober 2016 begonnen und meinen Master im Januar 2022 abgeschlossen. Parallel dazu habe ich meinen Sohn großgezogen. Wir haben keine Familie in Deutschland, und ich war mehrere Jahre alleinerziehend – und wirklich allein. Kurz vor dem Studium bin ich nach NRW gezogen, kannte hier niemanden und musste alles selbst aufbauen. Das Geld vom BAföG hat für meinen Sohn und mich nicht gereicht – es war gerade genug für Wohnung, Versicherung, Benzin und etwas Essen. Ohne Nebenjobs hätten wir z.B. kein Geld für Kleidung gehabt. Dann kam 2020 – Corona. Mein Sohn ging schon in die Schule, und ich musste ihn, parallel zu Arbeit und Masterstudium, zu Hause beschulen. Am Ende des Masterstudiums hatte ich einen vollständigen Burnout.
Nach dem Abschluss habe ich eine Stelle am Fraunhofer IML angenommen, mich kurz erholt – und dann natürlich sofort wieder viele Dinge parallel gemacht. Ich durfte mich auf das Thema Ausgründung konzentrieren und habe mich bis zur Leitung eines Enterprise Labs hochgearbeitet. Das hat mir großen Spaß gemacht: mehrere Innovationsprojekte und Themen gleichzeitig begleiten, immer in Bewegung. Und dann war ich ‚plötzlich‘ an der TU Dortmund – und durfte einfach ’nur forschen‘. Sonst nichts. Zum ersten Mal nach so langer Zeit, nach tausend Projekten und Herausforderungen, hatte ich einfach Zeit zum Nachdenken. Dafür war ich nicht bereit – das war weit außerhalb meiner Komfortzone. Auch das musste ich erst lernen. Offiziell habe ich nur einen Doktorvater, betreut werde ich aber von zwei Professoren. Die beiden mussten nicht nur meine Doktorväter werden, sondern auch eine Art geistige Senseis. Sie mussten mich regelmäßig bremsen und mir erklären, dass manche Dinge – Forschungsergebnisse eingeschlossen – einfach Zeit brauchen.
Das zweite, was man für Forschung wirklich braucht, ist so etwas wie Loslassen. Man verfängt sich leicht in bestimmten Methoden, Ansätzen und Fragestellungen. Aber manchmal muss man ein Thema einfach liegenlassen und die Forschungsfrage aus einem völlig neuen Winkel betrachten. Das war für mich anfangs extrem unangenehm. Aber so langsam habe ich es drauf.

Welche Herausforderungen mussten Sie auf dem Weg dorthin meistern?
Eine PhD-Stelle zu bekommen ist, zumindest wie ich es erlebt habe, eigentlich nicht besonders schwierig. Außer man kommt aus einem anderen Land mit einem komplett anderen Abschluss – und bringt dabei einige Komplikationen mit. Die erste Herausforderung war für mich natürlich, Deutsch zu lernen. Diese Sprache hat mich nicht nur einmal zum Weinen gebracht – mein Gehirn wollte sie einfach nicht aufnehmen. Außerdem hatte ich bereits einen Abschluss: ein Jura-Diplom mit Spezialisierung in Versicherungsrecht. Deutsches Recht ist dem, was ich gelernt hatte, sehr ähnlich – aber mein Abschluss wurde nur als erste juristische Staatsprüfung anerkannt, ohne Anrecht auf Referendardienst. Für Deutschland hatte ich also keinen anerkannten Abschluss, mit dem ich etwas anfangen konnte. Ich habe versucht, meine Dokumente bei der Johannes Gutenberg Universität in Mainz einzureichen – die Antwort war, dass ich trotz sehr guter Noten alles noch einmal absolvieren müsste. Das wollte ich nicht. Also bin ich in Richtung Engineering gegangen. Mit PC-based Control und XTS reduziert Komax SLE den Maschinen-Footprint um 45 % und steigert Flexibilität in der Kabelverarbeitung. ‣ weiterlesen
45 % weniger Footprint mit XTS
Was danach kam, war kein geradliniger Weg. Ich war alleinerziehend, in einer fremden Stadt, ohne Netzwerk. Zuerst wollte ich gar nicht studieren, sondern einfach arbeiten. Ich habe über 200 Bewerbungen verschickt. Hauptsächlich kam keine Antwort oder eine Standardabsage. Ausbildungsplatz, duales Studium – alles abgelehnt. Das Studium war eine erzwungene, aber letztlich richtige Entscheidung.
Finanzieren musste ich es selbst. BAföG wurde zunächst abgelehnt. Ich habe das Gesetz gelesen, nichts Widersprechendes gefunden und Widerspruch eingelegt. Der Prozess hat mich so viel Energie gekostet, dass ich mit Erschöpfung im Krankenhaus gelandet bin – auf einem Spielplatz war mir schwarz vor Augen geworden. Nach der Entlassung kam die Rechnung: 10 Euro. Die ich nicht hatte. Das Geld vom BAföG-Amt kam ein Jahr nach Antragstellung. Die TU Dortmund war übrigens nicht meine erste Wahl – sie war die einzige Uni, die mich ohne Deutschprüfung und ohne Schulzeugnis aufgenommen hat. Ich glaube, das war Schicksal.
Und noch etwas, das oft vergessen wird: Als Mutter zu studieren, ist in Deutschland alles andere als selbstverständlich. Die Mutter/Kind-Räume gibt es erst seit wenigen Jahren. Wenn die Kita zu hatte, durfte ich nicht in die Vorlesungen. Nicht weil ich nicht wollte – sondern weil es keine Lösung gab. Das ist kein Einzelfall, das ist Struktur. Corona 2020, Homeschooling parallel zu Arbeit und Masterstudium und im April 2021 habe ich ein Familienmitglied verloren. Ich konnte nicht reisen, konnte nicht Abschied nehmen. In diesem Zustand habe ich meine Masterarbeit geschrieben. Im Februar 2022 kam der Krieg. Meine Familie habe ich seit Jahren nicht gesehen. All das hat mich geformt. Und vieles davon – Jobcenter, BAföG, Wohnungssuche als ausländische alleinerziehende Mutter – hätte nicht so sein müssen. Deshalb tue ich, was ich tue.
Nach dem Master hat eine offene Frage zu AGV-Flotten mich nicht mehr losgelassen. Genau das habe ich dann zu meinem Forschungsthema gemacht. Ein PhD war zunächst gar nicht im Raum – aber als ich das Thema meinen beiden Professoren gepitcht habe, haben sie mir volle Unterstützung zugesagt. Den finalen Anstoß gab das Stipendium der Phoenix Contact Stiftung. Meine Überlegung war einfach: Wenn ich andere mit meiner Idee überzeugen kann, schaffe ich auch die Doktorarbeit. Und es hat geklappt. Kommentare wie „die haben halt Frauenquote gebraucht“ konnten meine Freude darüber nicht mehr zerstören.
Denn in einem männerdominierten Bereich zu arbeiten bedeutet, dass man solche Kommentare kennt. Ich habe früh gelernt, was ein Gesprächsdreieck ist: Ich komme in einen Termin mit einem männlichen Kollegen, ich führe das Gespräch, weil ich die Projektleiterin bin – und die Person gegenüber schaut meinen Kollegen an, wenn ich spreche, und antwortet ihm. Mein Kollege schaut zu mir, ich antworte der Person. Das Dreieck geht weiter, bis jemand merkt, was passiert. Ich sehe das nicht nur bei mir. Viele Frauen, viele Mütter halten es schlicht nicht aus – den Druck, die Strukturen, die unsichtbaren Barrieren. Sie geben auf. Nicht weil sie nicht gut genug wären, sondern weil das System es ihnen schwer macht, zu bleiben.
Was glauben Sie, warum Frauen in der Tech-Forschung und im Tech-Bereich allgemein immer noch unterrepräsentiert sind?
Ich würde die Frage anders stellen: Warum sind Frauen speziell in Deutschland unterrepräsentiert? Denn in meinem Heimatland war Tech für Frauen nie eine Ausnahme – es war selbstverständlich. In Deutschland liegt es meiner Meinung nach sehr stark an fehlenden Strukturen. Damit meine ich konkret: fehlende Kinderbetreuung, die mit Vollzeitstellen in der Forschung oder Industrie kompatibel ist. Fehlende Teilzeit- und Flexibilitätsmodelle, die Elternschaft und Karriere gleichzeitig ermöglichen. Fehlende Aufstiegsmöglichkeiten, die nicht voraussetzen, dass man immer verfügbar und ortsungebunden ist. Und fehlende Mechanismen, die sicherstellen, dass Frauen bei Beförderungen überhaupt im Gespräch sind – nicht weil sie sich nicht zeigen, sondern weil die Entscheidungen oft in informellen Netzwerken fallen, zu denen sie keinen Zugang haben. Dazu kommt: Tech war hier sehr lange sehr intensiv männerdominiert. Es fehlen Vorbilder, und es fehlen Entscheiderinnen am Tisch, die aktiv mehr Frauen dazu holen. Wer nicht gesehen wird, wird auch nicht gefördert.
Besonders schwer wird es, wenn zu ‚Frau sein‘ noch weitere Aspekte dazukommen – Migrationshintergrund, Mutterschaft, beides zusammen. Dann spricht man von doppelter Marginalisierung. Hier greifen Biases, u.a. der Affinity Bias: Man fördert und unterstützt unbewusst Menschen, die einem selbst ähnlich sind. Das lässt sich nicht allein durch Bewusstsein lösen – das erfordert strukturelle Veränderungen. Frauennetzwerke entstehen gerade überall und das ist gut. Aber ich glaube nicht, dass das allein ausreicht. Man muss andere Beteiligte dazuholen – Male Allyship und aktives Sponsorship entwickeln. Und man muss früher ansetzen: in die Schulen gehen und Mädchen zeigen, dass es schlicht keinen Unterschied macht, ob man Frau ist oder nicht. MAN z.B. hat erst 2022 ein Projekt gestartet, in dem erfasst wird, wie ein LKW gebaut sein muss, damit er auch von Frauen gefahren werden kann. Das sind keine Kleinigkeiten – das sind Hinweise darauf, wie lange Frauen in bestimmten Bereichen schlicht nicht mitgedacht wurden. Genau das, denke ich, ist auch in der Robotik und im Tech-Bereich generell der Fall. Automatisierung leicht gemacht: Kompakte Roboterschweißzellen ermöglichen KMU den wirtschaftlichen Einstieg ins Roboterschweißen. ‣ weiterlesen
Moderne Einstiegslösungen in die Automatisierung
Ich höre immer wieder Sätze wie: „Frauen interessieren sich halt nicht für Ingenieurwesen“, „Frauen wollen nicht mit Robotern arbeiten. Das kann man halt nicht ändern.“ Und ich frage mich jedes Mal: Warum sagen Menschen das? Ich bin eine Frau, ich interessiere mich für Ingenieurwesen, ich arbeite mit Robotern – und ich bin überzeugt, dass man sehr wohl etwas daran ändern kann. Hier sollte man einfach mehr Open Minded sein und in Problemlösungen denken.

Was tun Sie und Ihre Universität, um Frauen im Technikbereich zu fördern?
Es hat ziemlich klein angefangen. Durch meine eigene Erfahrung mit der Jobsuche habe ich versucht, für andere das Vitamin B zu sein, das mir selbst gefehlt hat – gute Referenzen geben, wo ich konnte, Türen öffnen, mit an den Tisch holen. Ich habe alleinerziehende Mütter unterstützt, Geflüchtete – eine Person nach der anderen. Als ich mich nach meinen eigenen Herausforderungen wieder aufgebaut hatte, wollte ich diese Mission größer machen. Ich bin Top-15-Finalistin bei Miss Germany in der Kategorie Mover 2024/25 geworden – mit dem Fokus auf die Unterstützung alleinerziehender Mütter. Bei solchen Aktivitäten lernt man schnell: Man braucht eine Community, keine Einzelkämpferin. So kam die Mitgründung von Deep Tech Collective zustande – einer Gemeinschaft, die unterrepräsentierten Gruppen den Weg in Deep Tech erleichtert, u.a. in der Robotik. Ich habe angefangen, Robotik-Workshops an Schulen und beim Girls‘ Day anzubieten – zuerst in der Schule meines Sohnes, mittlerweile auch im Rahmen von Initiativen wie Inspiring Girls. Als Freiberuflerin bei Reframing Pioneers unterstütze ich KMUs beim systematischen Wandel und zeige dabei konkret, wie sie von Diversität und Inklusion profitieren können – nicht als Selbstzweck, sondern als Strategie.
Seit ich Mitglied der Diversitätskommission der Fakultät Informatik der TU Dortmund bin, kann ich das Thema auch strukturell angehen. Dort organisiere ich Events wie die Spring Talks 2026 – eine Veranstaltung, bei der wir gezielt die Verbindung zwischen Diversität, Wissenschaft und Wirtschaft sichtbar gemacht haben. Außerdem gebe ich Keynotes, halte Talks und moderiere Events mit Fokus auf Robotik, Deep Tech und DEIB. Dieses Jahr wurde ich für meine Aktivitäten für den Curia-Preis in der Kategorie ‚Vorbild sein‘ und für den Impact of Diversity Award als Diversity Ambassador nominiert. Das zeigt mir: Die Arbeit wird gesehen.
Die TU Dortmund hat die Charta der Vielfalt bereits 2012 unterzeichnet und gehört zu den wenigen Hochschulen in Deutschland, die das Audit ‚Vielfalt gestalten‘ erfolgreich abgeschlossen haben. Es gibt ein eigenes Prorektorat für Diversity, die Stabsstelle Chancengleichheit, Familie und Vielfalt, sowie konkrete Programme wie DoBuS – eine der ältesten Anlaufstellen für Studierende mit Behinderung in Deutschland – und Talentscouting für Studierende ohne akademischen Hintergrund. Die Diversitätskommission unserer Fakultät ist dabei ein relativ neues, aber wichtiges Instrument: Sie schlägt konkrete Maßnahmen vor, damit Chancengleichheit nicht nur auf dem Papier steht, sondern im Alltag der Fakultät ankommt. Genau dort trage ich meinen Teil bei.
Diversität aktiv anzugehen ist unbequem, anstrengend und erfordert Energie. Aber es gehört in die Strategie – nicht ins Nebenprogramm. – Natalia Ogorelysheva, TU Dortmund
Was raten Sie jungen Menschen, die Ambitionen haben, einen ähnlichen Weg wie Sie einzuschlagen?
Bevor ich Mutter geworden bin, war ich Perfektionistin. Danach ging es plötzlich nicht mehr ums Perfektsein, sondern ums Überleben – und das war auch in Ordnung so. Daraus habe ich eine der wichtigsten Lektionen meines Lebens gelernt: Perfektion schafft keine Veränderung. Handeln schon. Deshalb mein erster Rat: Einfach anfangen. Neugierig sein, und nicht auf jedes „Hast du dir das auch wirklich gut überlegt?“ hören.
Den einen richtigen Weg zum Ziel gibt es übrigens nicht. Aber umso schöner ist dann der, den man gegangen ist. Vieles ergibt erst im Nachhinein Sinn – also trust the process. Was dabei entscheidend ist: sichtbar sein – besonders dann, wenn man einen ganz neuen Weg geht. Ich kann nicht zählen, wie viele Menschen mir geschrieben haben: „Nur weil ich gesehen habe, dass du es schaffst, dachte ich, ich schaffe es auch.“ LinkedIn hat für mich eine wirklich hohe Cringe-Curve – aber ich mache es hauptsächlich dafür, dass sich zumindest eine Person angesprochen fühlt und sich entscheidet, das anzugehen, wozu ihr vorher der Mut gefehlt hat.
Genauso wichtig: Vorbilder suchen. Ich tue es selbst noch. Gerade steht bei mir etwas Größeres an – ich möchte einen Forschungsaufenthalt im Ausland angehen, über Erasmus+ oder DAAD. Theoretisch geht das. Aber die Strukturen fehlen – nicht auf universitärer Seite, sondern auf der ganz praktischen: Ich kann meinen Sohn nicht einfach mitnehmen, wenn die Schule nicht mitmacht. Menschen, die das in einer ähnlichen Situation schon gelöst haben, gibt es nicht viele. Also suche ich weiter. Das Imposter-Syndrom schmeißt man am besten auch direkt aus dem Fenster. Hauptsache: an sich glauben, sich weiterbilden, und dabei Self-Care nicht vergessen. Balance ist keine Schwäche, sondern eine Strategie.
Zum Abschluss noch etwas, das mir wirklich wichtig ist. Ich glaube nicht, dass irgendeine Konstellation an menschlichen Features grundsätzlich besser für Robotik – oder irgendeinen anderen Bereich – geeignet ist als eine andere. Geschlecht entscheidet nicht, ob man besser Mathe kann. Hautfarbe entscheidet nicht, ob man besser führen kann. Religion entscheidet nicht, ob man ein besserer Teamplayer ist. Das alles ist eigentlich längst bekannt – und trotzdem handeln wir noch nicht danach. Wie wäre es also mit einer neuen Realität: einer, in der alle alles sein können?
















