
Die Humanoiden kommen! Dieser These kann man sich momentan einfach nicht entziehen. Angestachelt von visionären Unternehmern, von prognostizierten Billionen-Märkten, von viral gehenden tanzenden Robotern oder von deutschen Vorzeigemarken als Pilotanwendern – das Thema beherrscht nicht nur die Industrie, sondern taucht auch regelmäßig in der Gesellschaft auf. Doch wenn man genau hinsieht zeigt sich in allen Fällen: So einfach ist das mit den Humanoiden nicht. Ganz im Gegenteil, es ist echt kompliziert.
Sicherheitshalber wird Teslas Optimus bei offiziellen Auftritten lieber ferngesteuert. Boston Dynamics hat den Publikumsliebling Atlas in Rente geschickt. Und die deutschen Autobauer? Um sich im Glanz des Hypes zu spiegeln, heißt es bei BMW und Mercedes-Benz nach außen: Wow! Riesiges Potenzial! Doch wenn man nachbohrt, wird ein Serieneinsatz in der Fabrik auf absehbare Zeit ausgeschlossen. Es fehlt den humanoiden Kinematiken schließlich heute noch an allen Ecken und Enden: Geschwindigkeit, Präzision, Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit, Beweglichkeit…
Die bei steigendem Wettbewerb zwingend notwendige Wirtschaftlichkeit lässt sich eben nicht ausblenden. Allein die Vorstellung, Roboter auf Beinen durch die Fabrik zu schicken – wo die Hallenböden glatt und eben sind – ist aus Kostensicht völlig absurd. Zusätzliche Gelenke sind teuer, schwer und fehleranfällig. Gyroskope extrem komplex. Noch dazu, wo eine uralte Erfindung der Menschheit die unschlagbare Alternative bietet: das Rad.
Und so werden wir die Kombination aus AGV und Roboterarm – oder auch zwei Armen – künftig immer mehr in Fabriken antreffen. Laufende Roboter abseits von Testzwecken hingegen erst einmal nicht.
Die humanoide Robotik befindet sich mitten im Hype-Zyklus. Die Geschichte lehrt uns, dass dieser früher oder später zusammenbrechen wird. Danach beginnt die eigentliche Prüfung. Und dann irgendwann vermutlich auch eine Ära der humanoiden Maschinen.
In diesem Sinne wünsche ich eine spannende Lektüre.
Aus der Redaktion: Mathis Bayerdorfer
Chefredakteur ROBOTIK UND PRODUKTION. Egal wie gut es sich im Text versteckt: Kein doppeltes Leerzeichen ist vor ihm sicher.















![Die [me] - mechatronik & engineering wird digital 24 Die [me] – mechatronik & engineering wird digital](https://cdn.tedo.be/tedo-mu/wp_uploads/sites/20/2026/03/Unbenannt.jpeg)

