Produktivität steigern ohne Risiko

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Mit dem kompakten Flächenportal DLE-FG-0002 automatisiert Meleghy Automotive die Barcode-Anbringung an Strukturbauteilen. Die Lösung sorgt für stabile, reproduzierbare Prozesse und entlastet Mitarbeitende von monotonen Arbeitsschritten. – Bild: Igus GmbH

Die Produktionsstandorte von Meleghy Automotive stehen für moderne Fertigungskompetenz in der automobilen Struktur- und Karosserietechnik. In hochautomatisierten Presswerken und Montagebereichen entstehen täglich anspruchsvolle Strukturbauteile und komplexe Baugruppen für Automobilhersteller wie Audi, BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen. Mit rund 1.300 Mitarbeitenden an acht Standorten in Deutschland, Spanien, Tschechien und Ungarn erwirtschaftet Meleghy Automotive einen Jahresumsatz von rund 350 Millionen Euro.

„Für uns steht nicht nur die reine Kostenreduzierung im Vordergrund, sondern die nachhaltige Verbesserung unserer Prozesse – im Sinne von Stabilität, Qualität und Effizienz“, betont Matthias Leienbach, Werkleiter Meleghy Automotive Wilnsdorf. „Lowcost-Automation ist ein Baustein, mit dem wir diese Ziele pragmatisch und ohne großen Investitionsaufwand erreichen können.“ Raúl Pérez, COO Meleghy Automotive, ergänzt: „Lowcost-Automation ist für uns nicht nur ein lokales Pilotthema, sondern ein wichtiger Bestandteil unserer Gesamtstrategie. Denn in einer Zeit der Transformation – mit neuen Antriebskonzepten, wechselnden Stückzahlen und wachsender Komplexität – müssen Automatisierungslösungen skalierbar, wirtschaftlich und schnell umsetzbar sein.“

Alles aus einer Hand – mit Kompatibilitätsgarantie

Der Betrieb verfolgt daher beim Thema Automatisierung eine doppelte Strategie: Zum einen konstruiert er neue Roboterzellen so flexibel, dass sie sich bei Bedarf schnell auf andere Fahrzeugmodelle umstellen lassen. Zum anderen setzt Meleghy Automotive bewusst auf Lowcost-Automation von Igus, um wirtschaftliche und zugleich prozesssichere Automatisierungslösungen zu realisieren. Passende Systeme zu finden, die den hohen qualitativen Ansprüchen eines Automobilzulieferers gerecht werden, ist dabei nicht einfach. Ungeplante Stillstände gilt es zu vermeiden. „Entsprechend erleichtert waren wir, als wir die Onlineplattform RBTX von Igus entdeckt haben,“ erklärt Leienbach. Sie habe es möglich gemacht, LCA-Komponenten zahlreicher Hersteller nach dem Lego-Prinzip zu kombinieren, darunter Roboter, Greifer, Vision-Systeme und Steuerungen, und nach dem Plug&Play Prinzip zügig in Betrieb zu nehmen. „Normalerweise benötigt es viel Zeit, Systeme mit Komponenten verschiedener Anbieter zusammenzubauen, da allein die Kompatibilität problematisch sein kann. Da bei RBTX alles von vornherein hinsichtlich Kompatibilität getestet wird, konnten wir in kurzer Zeit und mit geringem Investment zwei Prozesse in unserer Produktion automatisieren,“ so Leienbach.

Roboterlösung zur Barcode-Aufbringung

Ziel von Meleghy Automotive ist es, Mitarbeiter mit LCA von monotonen Routineaufgaben zu entlasten und die Qualität durch stabile, wiederholgenaue Prozesse abzusichern. Zu diesen Aufgaben gehört z.B. das Aufbringen von Barcodes auf rohrförmige, schwarze Versteifungsstreben für die Karosserie. Früher musste ein Mitarbeiter die Rohre reinigen und Barcode-Aufkleber per Hand anbringen. Das war nicht nur eintönig, sondern auch fehleranfällig im Verlauf einer langen Schicht. Die Automatisierung dieses Arbeitsschritts war ein logischer Schritt, um Wiederholgenauigkeit, Prozesssicherheit und Nachverfolgbarkeit auf ein neues Niveau zu heben. „Unser Ziel war es, den Prozess nicht nur effizienter, sondern vor allem sicherer und konstanter zu gestalten“, sagt Leienbach.

Das Unternehmen stellte sich daher auf RBTX eine Lösung zusammen. Das Fundament: das Flächenportal DLE-FG-0002 von Igus, das in einer kleinen Arbeitszelle auf einen Tisch montiert ist und mit zwei Achsen einen maßgeschneiderten Arbeitsraum von 300x300mm aufspannt. Innerhalb dieses Bereichs befinden sich vier Passformen, in die die Mitarbeiter lediglich die Rohre einlegen müssen. Starten sie den Vorgang, setzt sich der Portalroboter in Bewegung, angetrieben von Zahnriemen und Schrittmotoren der Baugröße Nema17. Ein Schlitten mit einem montierten Druckkopf verfährt auf einem hartanodisierten Aluminiumprofil zu den Rohren und druckt zwei weiße Barcodes auf. Dafür benötigt er wenige Sekunden. Eine vorherige Reinigung der Rohre ist nicht notwendig, Fehler und Reklamationen sind ausgeschlossen.

Ein kollaborativer Roboter unterstützt beim Einlegen von Blechteilen in eine Schweißpresse - sicher, ergonomisch und effizient.
Ein kollaborativer Roboter unterstützt beim Einlegen von Blechteilen in eine Schweißpresse – sicher, ergonomisch und effizient. Bild: Igus GmbH

„Mit einem vergleichsweise kleinen Investment konnten wir diesen Arbeitsschritt effizient und zuverlässig automatisieren“, sagt Richard Kremser, Elektrotechniker bei Meleghy Automotive. „Die Mitarbeitenden werden entlastet, und gleichzeitig sichern wir eine gleichbleibend hohe Prozessqualität.“ Zudem ist die Lösung laut Leienbach im Alltag nahezu wartungsfrei. Der Grund: Die Schlitten bewegen sich über Gleitlager aus Hochleistungskunststoff auf den Schienen. In den Werkstoff integrierte Festschmierstoffe sorgen dabei für einen reibungsarmen und schmutzunempfindlichen Trockenlauf ohne Schmieröl oder -fett.

Cobot als ergonomische Unterstützung

Weil der Return-on-Investment gut war, realisierte Meleghy Automotive im Werk in Wilnsdorf eine zweite Automatisierungslösung. Schauplatz: Eine kleine Schweißanlage, die Schweißmuttern auf Bleche aufbringt. Früher mussten Mitarbeiter jeweils zwei Bleche aus einer Kiste greifen und in die Anlage einlegen. Heute übernimmt ein kompakter Cobot diese Arbeit. Damit wird die körperlich belastende Routinearbeit automatisiert, während die Mitarbeitenden sich stärker auf überwachende und qualitätssichernde Tätigkeiten konzentrieren können. Das Unternehmen kaufte daher auf RBTX den Dobot Nova 5, ein weißer, kollaborativer Industrieroboter mit 5kg Nutzlast, 850mm Reichweite und einer Wiederholgenauigkeit von ±0,05mm, geeignet für Automatisierungsaufgaben wie Pick&Place, Schrauben und Löten. Hinzu kommt ein Vakuumgreifer, mit dem der Roboter, angesteuert von einer SPS über IOs, die Bleche von einem Transportband in die Maschine einlegt. „Neben der Effizienzsteigerung steht hier ganz klar die Verbesserung der Ergonomie im Mittelpunkt,“ erklärt Kremser.

Aktueller Neuerwerb für das Werk in Wilnsdorf ist der ReBeL von Igus, ein Cobot mit sechs Achsen, 2kg Nutzlast und einer Reichweite von 664mm. Zu einem Großteil aus Hochleistungskunststoff gefertigt, beträgt sein Eigengewicht nur 8,2kg, was den ReBeL zum leichtesten Cobot seiner Klasse macht. Seine mögliche Aufgabe: flache, sichelförmige Metallbauteile in ein Magazin für ein Umformwerkzeug legen.