
Der Return on Investment (ROI) robotergestützter Systeme lässt sich nicht als einzelne Kennzahl definieren. Vielmehr beschreibt er einen Bereich, der sich aus Leistungsfähigkeit, Systemauslastung, Kostenstruktur und Prozessgestaltung ergibt. Entscheidend ist, ob die Stückkosten pro Kommissionierung unter denen manueller Arbeit liegen – oder ob er lediglich die Kosten ausgleicht.
Im niedrigsten wirtschaftlichen Bereich erreicht ein Roboter lediglich die gleichen Kosten pro Kommissionierung wie ein menschlicher Mitarbeiter. Wenn z.B. der Materialfluss oder die Zuführung der Behälter nur 150 Artikel pro Stunde bereitstellt, kann ein Roboter, der technisch mehr als das Dreifache leisten könnte, diesen Vorteil nicht ausspielen. Dadurch bleibt der wirtschaftliche Effekt begrenzt, was einem finanziellen Stillstand entspricht. Dennoch ist der Einsatz eines Roboters sinnvoll, da er konstant arbeitet – ohne Ermüdung, ohne Schichtzuschläge und ohne Leistungseinbrüche. Menschliche Kommissionierer werden besonders in Nacht- und Langschichten langsamer und die Fehlerquote steigt, während ein Roboter durchgehend mit gleichbleibender Präzision arbeitet.
ROI-Vorteile im mittleren Durchsatzbereich
Im mittleren Wertbereich entsteht ein wirtschaftlicher Vorteil robotergestützter Kommissionierung. Roboter müssen in diesem Szenario nicht schneller arbeiten als Menschen, sondern ihre Leistung verlässlich und ohne Schwankungen aufrechterhalten. Während menschliche Kommissionierer im Laufe einer Schicht an Tempo verlieren und nachts einen geringeren Arbeitsertrag erzielen, arbeitet ein Roboter durchgehend mit gleichbleibender Geschwindigkeit. Über den Tag hinweg kann er die effektive Leistung von zwei bis drei Schichten übernehmen und so die Betriebskosten senken. Durch konstante Durchsätze sinken die Kommissionierungskosten unter das Niveau manueller Arbeit und bei hoher Auslastung auf unter 0,20 Euro. Gleichzeitig verbessert die oft über 99 Prozent liegende Genauigkeit die Qualitätsleistung und reduziert fehlerbedingte Kosten. In vielen Fulfillment-Umgebungen ermöglicht diese Kombination aus Zuverlässigkeit, stabiler Auslastung und geringer Fehlerquote eine Amortisation innerhalb von zwei bis drei Jahren und macht diesen Bereich zu einem attraktiven Ziel der Automatisierung.
Automatisierung als Wachstumstreiber
Unter idealen Bedingungen, in denen das gesamte System ohne Engpässe arbeitet, verschiebt sich der ROI in einen besonders attraktiven Bereich. Wenn Artikel ohne Wartezeiten bereitstehen, mehrere Picks aus einem Behälter möglich sind und der Roboter dauerhaft ausgelastet ist, lassen sich Kommissionierleistungen von über 450 Einheiten pro Stunde erreichen – in Spitzen sogar bis zu 1.000. Die Kosten pro Kommissionierung sinken dann deutlich unter 0,15 Euro.
„Wenn Prozesse vollständig zusammenpassen – von der Datenlage bis zur Behälterpräsentation – können Roboter eine Leistung entfalten, die weit über das hinausgeht, was manuell möglich ist“, so Ralf Gulde, CEO von Sereact. Diese Hochleistungssituation bleibt jedoch die Ausnahme, da viele Goods-to-Person-Systeme durch ihre Behälterpräsentation technisch begrenzt sind. Auch schwankende oder geringe Volumina können die Auslastung reduzieren und den theoretischen Vorteil schmälern. Wird diese Zone jedoch erreicht, ermöglicht sie erhebliche Arbeitsersparnisse und hohe Skalierbarkeit.

Faktoren, die den ROI beeinflussen
„Viele Unternehmen unterschätzen, wie stark die Infrastruktur den Roboter limitiert. Der beste Roboter kann nur dann mehr leisten, wenn das System ihn auch entsprechend versorgt“, betont Gulde. Ein wesentlicher limitierender Faktor ist die Geschwindigkeit, mit der neue Behälter an der Kommissionierstation ankommen. Benötigt ein System sechs Sekunden für die Bereitstellung eines Behälters, liegt die theoretische Obergrenze des Roboters bei rund 600 Picks pro Stunde – unabhängig vom Tempo des Roboters. Viele Goods-to-Person-Systemen schaffen jedoch nur 200 bis 400 Behälterpräsentationen pro Stunde, da das Behälterniveau oft limitiert ist. Eine hohe Trefferquote kann diesen Effekt mildern, bleibt aber entscheidend für den ROI.
Nicht alle Artikel sind gleich gut automatisierbar: Sehr kleine, transparente oder unregelmäßig geformte Objekte verlangsamen den Prozess. Daher automatisieren viele Betriebe nur die einfacheren 80 Prozent der SKUs, während anspruchsvollere Artikel weiterhin manuell bearbeiten werden. Zudem erfordern Roboter regelmäßige Wartung und erreichen meist eine Betriebszeit von etwa 98 Prozent – ein wichtiger Faktor der ROI-Analyse.
Fazit
Der Einsatz von Robotern lohnt sich überall dort, wo sie im laufenden Betrieb einen stabilen und wirtschaftlich vorteilhaften ROI erzielen. Wenn Roboter in der Lage sind, Kommissionierungen zu Stückkosten zu ermöglichen, die nachhaltig unter denen eines Menschen liegen, und gleichzeitig die Prozessstabilität erhöhen, Fehler reduzieren und die Belegschaft entlasten, werden sie zu einem wirtschaftlich sinnvollen Bestandteil des Fulfillment-Betriebs. Die erfolgversprechendsten Automatisierungsprojekte orientieren sich deshalb nicht an theoretischen Maximalleistungen, sondern daran, ob Roboter langfristig in der wirtschaftlichen Wertzone arbeiten.


















