Cobot übernimmt Nachtschicht

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Bei Elektron setzt der D-Bot von Delta Electronics 68 großformatige Kondensatoren präzise in Leiterplatten ein. – Bild: Delta Electronics

Das Unternehmen Elektron Systeme und Komponenten begleitet seine Kunden über die gesamte Wertschöpfungskette der Elektronik. Das Spektrum umfasst Machbarkeitsstudien und Entwicklungsleistungen, die Baugruppenfertigung und den vollständigen Gerätebau sowie Prüf-, Beschichtungs- und Logistikleistungen. Der EMS-Full-Service-Partner betreut Projekte von der Entwicklung und dem Prototypenbau bis zur Serienfertigung. Rund 120 Mitarbeiter produzieren am fränkischen Unternehmenssitz Weißenohe Made in Germany.

In der Fertigung treffen automatisierte und manuelle Abläufe unmittelbar aufeinander. Bis zu 90 Millionen Bauelemente lagern unter kontrollierten Bedingungen in einem vollautomatischen Bauteillager bis MSL-Level 6. Zwei ASM-Linien übernehmen die präzise Bestückung. Anschließend folgen das Löten, das Prüfen sowie die weiteren mechanischen Bearbeitungsschritte. Je nach Auftrag werden die Baugruppen lackiert, vergossen oder im Gerätebau mit Kabeln und mechanischen Teilen komplettiert. Trotz dieser durchgängigen Prozesskette bleiben Tätigkeiten, die wiederholt Personal binden und nicht in bestehende automatisierte Abläufe eingebunden sind.

Teilautomatisierung als pragmatischer Weg

Die Personalplanung bei einem Fertigungsauftrag stellte das Unternehmen angesichts des Fachkräftemangels und des demografischen Wandels vor Herausforderungen. „Es ist schwierig, wegen einer einzelnen Baugruppe drei Mitarbeiter in der Nachtschicht einzusetzen“, erklärte Maximilian Herbst, Industrial Engineer bei Elektron. Daraus entstand eine klar umrissene Idee: Ein Roboter sollte die Aufgabe außerhalb der regulären Arbeitszeit selbstständig erledigen. Am nächsten Morgen könnten die Mitarbeiter dann die produzierte Menge kontrollieren und weiterverarbeiten. Gesucht war keine umfassende Neuautomatisierung, sondern eine Lösung für diesen einzelnen Prozess. Aufgabe, benötigte Stückzahl und Übergabe an die nachfolgenden Arbeitsschritte standen bereits fest. Der Roboter sollte sich in die vorhandene Umgebung einfügen und den gleichbleibenden Ablauf zuverlässig ausführen. Damit ließe sich die Automatisierung auf eine konkrete Tätigkeit begrenzen, ohne weitere Bereiche der Produktion umzugestalten.

Auswahl und Umsetzung des Use Cases

Elektron verglich verschiedene Marktteilnehmer über mehrere Wochen in praktischen Tests. Die Wahl fiel schließlich auf Delta Electronics, einen international tätigen Anbieter von Energie- und Automatisierungstechnik. Zum Portfolio der industriellen Automatisierung gehören Steuerungs- und Antriebstechnik sowie Robotik, darunter die kollaborativen D-Bot-Systeme. Das Unternehmen verbindet diese Komponenten mit Erfahrungen aus der Elektronikfertigung und der Integration automatisierter Produktionsprozesse.

Neben der Leistung des D-Bots überzeugte auch die Zusammenarbeit mit dem Delta-Team. „Die Kollegen von Delta waren immer sofort ansprechbar und technisch auf der Höhe“, berichtet Fabian Waas, CTO. „Um die Umsetzung hat sich Delta weitgehend eigenständig gekümmert. Wir haben lediglich Musterprodukte rausgeschickt. Delta hat die Programmierung so weit entwickelt, dass uns eine Lösung vorgeführt werden konnte.“ Die Demonstration bezog sich auf die für den vorgesehenen Prozess entwickelte Anwendung. Bereits vor der praktischen Erprobung bei Elektron ließ sich damit nachvollziehen, wie der D-Bot die konkrete Aufgabe an der betreffenden Baugruppe ausführen würde. Der Entwicklungsaufwand für den EMS-Dienstleister blieb entsprechend begrenzt.

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